Melancholie

BEITRAGFOTO: NULEINN (DK), 2018

Mit der gleichnamigen Ausstellung geht das Museum am Bach in seine 5. Saison. Zu sehen sein wird zeitgenössische Raum- und Medienkunst, die das Verhältnis des Gemütszustandes der Melancholie zur Gesellschaft erfahren und hinterfragen lässt.

Voreröffnung/ Preopening: 2. Mai 2018, 19:00 Uhr mit einer Performance von Nuleinn

Eröffnung: 5. Mai, 18:00 Uhr mit einer Performance des Arachne-Kollektivs

Interessierte können nach Voranmeldung bei dem Erarbeitungsprozess zu der Rauminstallation und Performance „Arachne. Love Is Blue“ dabei sein: 3. und 4. Mai, 15:00 bis 21:00 Uhr

Ausstellungsdauer: 6. Mai – 26. Oktober 2018

Öffnungszeiten: Do – So, 14:00 – 19:00 Uhr und nach Vereinbarung

Im Rahmen von Melancholie stellen aus: das Arachne-Kollektiv (gegr. 2007 in Bozen),   Vooria Aria, Rudi Benétik, Patricia Deisl, Johannes Deutsch, Stefan Grauf-Sixt, Meta Grgurevič (Ljubljana), Oskar Jakobsen (Kopenhagen), Richard Kaplenig, Klaus Karlbauer, Detlef Löffler (eine Fotostudie über die Sammeltätigkeit des Komitee Grabkapelle Lippitzbach), das Duo Nuleinn (Rine Rodin und Magga Ploder, Kopenhagen), das Duo OneTwoMuch (Martha Laschkolnig und Marie Lenoble), Philosophische Versuchsreihen (Kollektiv), Sebastian Schager, Sheida Samyi, Loretta Stats, Evelin Stermitz, Herwig Steiner und Friedrich Zorn.

Der Soziologe Wolf Lepenies spricht von der Melancholie als gesellschaftliches Problem. Sie ist eine Handlungshemmung, der Zustand von jemanden, der etwas tun will, es aber nicht tun kann. Man ist auf das Denken zurückgeworfen.

Da kommt der Punkt, wo bedeutende Kunst entstehen kann – auch wenn es sich nur um einen Liebeskummer handelt, eine nostalgische Sehnsucht nach dem Früher oder die Hoffnung auf einen Neuanfang. Manchmal bilden sich bei all dem Nur-Denken-und-nichts-tun-Können wegweisende Utopien heraus.

Die Mehrheit der Gesellschaft bleibt aber nur Konsumentin. Produziert wird die schöne, schwere, melancholische Welt der gesellschaftlichen Alternativen alleine im Untergrund – in jenem des intellektuellen Denkens. Doch die Alternativen selbst, die verschiedenen Ideen als solche wie der Melancholiker an sich, können die bestehende gesellschaftliche Ordnung stören. Früher wurden Menschen, die dauerhaft traurig sind, ganz einfach unter Generalverdacht gestellt als konstitutionelle Abweichler, vor denen man auf der Hut sein muss.

Melancholie und Narzissmus: Alice Miller sieht den Begriff Narzissmus als positive Eigenschaft, wie sie unter anderem in Das Drama des begabten Kindes erläutert. Narzisstisch zu sein ist für sie etwas Normales, Gesundes und bezeichnet jemanden, der seine Interessen verfolgen kann. Eine narzisstische Störung entsteht laut Miller, wenn ein Kind seine eigenen Gefühle und Interessen nicht artikulieren durfte und später dafür ein „Ventil“ braucht. Das äußert sich meistens in Depression und/oder Gefühlen der Großartigkeit, die aber nur zwei Seiten derselben Medaille darstellen.

Die antike Vier–Elementen–Lehre: Die Vorstellungen über das Wirken der Urkräfte gehen auf den antiken Philosophen Empedokles von Agrigent (5 Jh. v. Chr.) zurück. Er nannte sie Feuer, Wasser, Luft und Erde. Aristoteles führte die qualitative Unterscheidung der Elemente ein (Wärme, Kälte, Trockenheit, Feuchtigkeit). Polybos, Schwiegersohn des Hippokrates, entwickelte aus der Elementenlehre die Vier-Säfte-Lehre (humores = Säfte) und ein darauf aufbauendes Therapiesystem, die Humoralmedizin. Gesundheit entspricht nach diesem System einer harmonischen Verteilung der vier Säfte (Eukrasie), beziehungsweise der Elemente: Blut (Luft), Schleim (Wasser), schwarze Galle (Erde) und gelbe Galle (Feuer). Krankheit ist dagegen eine falsche Säftemischung (Dyskrasie), beziehungsweise das Überwiegen eines Safts oder eines Elements. Nach antiken Vorstellungen erfolgt die Therapie durch Entleeren des überschüssigen Saftes (Ausleitung der „materia pecans“ = schuldige Materie). Der griechische Arzt Galenos (129 bis 199 n. Chr.) wandte die Säftelehre auch auf seelische Vorgänge an. Die falsche Säftemischung führt zur Entstehung der vier Temperamente: Melancholiker (Erde; melanos = schwarz, chole = Galle), Sanguiniker (Luft; sanguis = Blut), Phlegmatiker (Wasser; phlegma = Dampf), Choleriker (Feuer; chole = Galle). Nach dem Untergang Roms entwickelten arabische Ärzte wie Avicenna die Elementenlehre weiter. Durch die Kreuzzüge kam das Wissen wieder zurück nach Europa und beeinflusste die Medizin des Mittelalters erheblich. Im Spätmittelalter und in der Renaissance erlebte die Elementenlehre ihre letzte Hochblüte.

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