Wie wichtig ist uns die Schönheit…

…der Gesellschaft – von Taten, Handlungen oder Operationen? Wie schön wären diese, wenn wir genau das wollten, eben dass sie schön sind?

Diese auf das Scheitern der Ich-Gesellschaft und die Notwendigkeit eines neuartig ganzheitlichen Gesellschaftsbewusstseins bezogene Fragestellung der Ausstellung Schöne Operation wurde von den teilnehmenden 15 Künstlern und 21 Künstlerinnen wie erwartet äußerst frei ausgelegt.

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Die verschiedenen Positionen scheinen in demselben Dilemma zu stecken wie die Gesamtgesellschaft: das Akzeptierte funktioniert nicht mehr, das vielleicht funktionierende Neue ist noch nicht akzeptiert – innerhalb dieses alle Bereiche des Lebens und Zusammenlebens umfassenden Umbruchs – was wäre da schön? Veränderung ist oft mit Schmerz verbunden – so belegt es das Leben – bei der Geburt, beim Sterben – was wäre da schön?

Ist das Sammeln von Utopien schön? Sind es die environment-technischen Exkursionen der Kooperationspartner Bionikum, Die Verknüpfer, BKK-3, Klimabündnis und Kärnten Solar? Ist es die Mittelmeer-Aktion des Zentrums für politische Schönheit/ ZPS aus Berlin mit 1000 Rettungsplattformen zwischen Tunesien und Italien als Provisorium für ein Jahrhundertwerk, eine Autobahnbrücke von Afrika nach Europa?

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Anna Vasof mit „Brake Dance“ ignoriert die Schönheitsfrage: in Schuhen mit Bremsen und einem vorgebauten Gestänge, an dem in Augenhöhe eine Verkehrsampel in klein befestigt ist, unterwandert sie die allgemeinen behördlichen Regeln mit den eigenen – sind es andere?

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Eine konkrete Anleitung zur gesellschaftlichen Schönheit hat nur Zenita Komad parat: sie empfiehlt den verschiedenen Parteien der Welt, sich statt zum Streit zu einem friedvollen Austausch in 10er-Sesselkreise zu setzen: It`s time for spiritual action! Ob man mit derartigen Veranstaltungen Fußballstadien füllen kann? Das Modell dazu heißt „One Goal“ – das circleXperiment.

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Die Ausstellung handelt also von der Unmöglichkeit  einer „Other Society“, wie sie auch Rahman Hak-Hagir heraufbeschwören will, der zusammen mit Lena Catalina Stan ein Labor zur Behandlung der „Divided Society“ eingerichtet hat.

Erst die Vielfalt (der Farben des Lebens) macht uns schön – davon erzählt das 4m lange, ursprünglich weiße Kleid, das nach der 20minütigen Eröffnungs-performance F7UIDS (Version II) des Kopenhagener (Cyborg-)Duos Nuleinn (01) liegen geblieben ist.

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Direkt und ohne interpretieren zu wollen folgt das Video „Schönheit total“ von Friedrich Zorn den Interessen von Kindern und ihren Kameras.

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Auch Ariadne Sevgi Avkiran beschränkt sich nicht auf ihre eigenen Sinne und lädt rund um ihren „Tactile Art“-Tisch Blinde und Sehende zu einem freien Wahrnehmungsaustausch ein. Ein Angebot, das über den Kärntner Blindenverband oder das Museum gebucht werden kann.

Detlef Löffler mit Photoshop-Montagen verstört und fasziniert zugleich. In Portraits vom Vorstand der Freunde des Museum am Bach hat er die Hälfte eines Fotos von ihm selbst hinein operiert, gänzlich ohne Narben.

Die begonnene Sammlung unterschiedlicher „Sozialmodelle der Kunst“ befindet sich zusammen mit einem Arbeitstisch in einer Nische der Ausstellung.

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Die Kategorien der Sammlung sind:

  1. Qualität der Kommunikation (C)
  2. Horizonte des Denkens/ politisches Framing/ ideologische Ausrichtung (I)
  3. Individuelle Rechte (R)

Das Prinzip nach dem die Sammlung benützt werden soll heißt Selbstaufklärung.

Genau hier setzt der Medienkünstler Herwig Steiner an – mit seiner „Schönen Operation am eigenen Beispiel“ und den „Unschönen Operationen 1 – 4“. Mit der Schönheit ist es wie mit der Wahrheit, wenn man sie einfach übernimmt, ist sie nicht wirklich.

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Fotos: Instagram

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