Die Kunst, die Macht, das Schöne und die Freien Wahlen

Wird uns Konsumenten wie Produzenten das Schöne diktiert oder entscheiden wir selbst, was schön ist?

Ich beziehe mich auf die altpersische Poesie, in der das Schöne mit der Süße des Honigs verglichen wird und ziehe weiters Joseph Beuys Postulat „jeder ist ein Künstler“ heran um folgende These aufzustellen: das Schöne entsteht erst durch Vermischung (gleich wie der Honig aus dem gesammelten Nektar erst zusammen mit den körpereigenen Enzymen vieler kooperierender Bienen und dem Honigtau, den die Läuse absondern zum Honig wird). Demnach ist das Schöne immer das Ergebnis einer Kooperation.

Aber wie erzeugen wir „freien“ Menschen in unseren Zellen – den Schulen, Museen, Theatern, Ämtern, Fabriken, Restaurants und Geschäften – das Schöne? Und was genau meinen wir, wenn wir sagen: das war ein schöner Tag?

Viele unserer Teams, Firmen und Abteilungen werden von Chefs oder Chefinnen geführt, die bei ihren Vorgaben prinzipiell über die Köpfe der anderen hinweg entscheiden. Unsere Demokratien sind erst auf halbem Wege Demokratien. In ihren Subsystemen sind sie immer noch Diktaturen. Der Wechsel zu einer radikalen, direkten, partizipativen Demokratie kann nicht bequem vom Sofa aus per Fernbedienung angesteuert werden. Eine  auf Freiheit, Gleichheit und Verbundenheit begründete Demokratie – vielleicht das wahre Schöne in der Gesellschaft – fordert von allen vor allem gegenseitige Wertschätzung.

Seit mehr als 100 Jahren greifen künstlerische Experimente in die soziale Ordnung der Gesellschaft ein. Jede Tat/ Handlung/ Operation kann sich jener Schönheit nähern, die wir ziemlich ungeschickt noch als Friedensutopie bezeichnen. Eigentlich handelt es sich um eine freie Wahl, nur dass diese in den sogenannten Freien Wahlen nicht vorkommt.

Alex Samyi, Ruden