Der Runde Tisch. Die Plattensammlung

Die PolyLoge ist ein mehrjähriger Artistic Research zum Runden Tisch… Lukas Vejnik leitet das Projekt unter dem Titel „Around and About Round Tables“. Recherchiert werden Runde Tische der Geschichte in ihren Inspirationen für die Zukunft, angefangen bei König Artus Tafelrunde.

Bei der Parallel Vienna, die gestern zu ende ging, präsentierte das MAB eine Tisch-Installation mit Text (Lukas Vejnik), Licht (Alex Samyi) und Ton (Lisa Rozman). Etwa 3000 BesucherInnen haben den Raum gesehen…

Lukas Vejnik: „Welche räumlichen Konstellationen entstanden rund um die Idee des Runden Tisches? Wo liegen die Wurzeln der seit dem 19. Jahrhundert praktizierten Round Table Talks? Unter welchen Voraussetzungen wäre ein Runder Tisch, nach unzähligen temporären Engagements, als permanenter Einrichtungsgegenstand in das Raumprogramm der Demokratie aufzunehmen? Was ist aus Konferenzberichten über den Raum und die Rolle Runder Tische als Möbel und Mittler zu erfahren?“

 

Melancholie

BEITRAGFOTO: NULEINN (DK), 2018

6. Mai – 26. Oktober 2018

Do – So, 14:00 – 19:00 Uhr und nach Vereinbarung

Melancholie im Museum

Nora Leitgeb, Juni 2018

Das Museum am Bach unter der Kuratierung von Alex Samyi und Ulli Egger-Samyi versammelt 2018 bereits zum fünften Mal zeitgenössische künstlerische Positionen, diesmal unter dem Titel „Melancholie – Kunstausstellung in Moll“. Siebzehn internationale Künstler und Künstlerinnen, zwei Künstlerduos und ein Kollektiv beziehen sich in ihren zum Großteil neu produzierten Arbeiten auf die Melancholie – oder wie man noch so sagt auf die Schwermütigkeit, den Trübsinn, die Traurigkeit, die Nachdenklichkeit oder den Weltschmerz. In der Ausstellung bearbeiten manche von ihnen Episoden aus ihrem eigenen Leben, auffallend oft Liebeskummer wie das Duo OneTwoMuch und Friedrich Zorn oder Betrübtheit wie HST. Andere wiederum nähern sich dem Begriff der Melancholie aus der Perspektive der Mythologie wie das Arachne-Kollektiv, das dänische Künstlerinnenduo Nuleinn und Johannes Deutsch, der Psychologie wie die slowenische Künstlerin Meta Grugurevič oder des Traumbildes wie Rudi Benétik und Loretta Stats. Man findet Einflüsse der Japanologie wie beim Dänen Oskar Koliander, der Antike wie bei dem im Iran geborenen und in Wien lebenden Künstler Vooria Aria oder des Märchens wie bei Patricia Deisl. Andere wiederum  thematisieren gleich mehrere Aspekte der Melancholie wie die mit Sprühschablonen gefertigte Arbeit von Sebastian Schager und die Fotografie von Stefan Grauf-Sixt, manche reduzieren sich auf sinnbildliche Momente wie Evelin Stermitz, Alois Hechl-Kreuter oder Richard Kaplenig. Einige arbeiten gattungsübergreifend wie die Foto- und Videoarbeit von Sheida Samyi, die einen eigenen lyrischen Text verarbeitet oder Klaus Karlbauer, der sich den Schlager „Melancholie im September“ aneignet. Detlef Löffler schließlich bringt einen heimatkundlichen Aspekt mit hinein.

Seit der Antike behandeln medizinische, philosophische und kulturwissenschaftliche Schriften die Melancholie, die sowohl mit Schwermut und Trauer gleichgesetzt wird, aber auch mit Genialität und Inspiration. Die Melancholie mit Depression zu vergleichen gilt schon lange nicht mehr, vielmehr mit einem romantischen Weltschmerz, der durchaus schöpferische und erleuchtende Gedanken und Taten hervorbringen kann. In der antiken Viersäftelehre nach Hippokrates beförderte ein Ungleichgewicht der Säfte durch einen Überfluss an schwarzer Galle die Schwermut, von daher der Name Schwarzgalligkeit aus dem Griechischen mélas/ schwarz und cholḗ/ Galle. In der Temperamentenlehre wieder aufgegriffen wird das Temperament des Melancholikers mit Erde gleichgesetzt. Vooria Aria schaffte in seiner Installation „Bereit zum Aufbruch und zur Reise“ einen Erdhaufen aus Erde von hinter dem Museum in einen dunklen Ausstellungsraum, erhellt lediglich durch eine mit blauem Licht beleuchtete Floatglasscheibe. Im Englischen bedeutet „blue“ auch „traurig“, die Farbe Blau steht überdies für Ruhe, Vertrauen, Freiheit, Weite und Wasser, aber auch für Sehnsucht und kritische Selbstbeobachtung, was wiederum melancholisch wirken kann. In dem finsterem Ausstellungsraum lässt sich abgeschottet von äußeren Eindrücken dementsprechend gut sinnieren. Wasser spielt einen Raum weiter bei Oskar Koliander in der Installation „Kodō“ eine wesentliche gestalterische Rolle. Eine selbst gebaute japanische Shishi-odoshi, ein Bambusrohr, das durch Wasser bewegt mit langsamen, plötzlichen Schlägen Wildtiere aus Gärten vertreibt, wird von dem hauseigenen Museumsbach befüllt. Kodō meint auch das japanische Wort für  Herzschlag und Puls, es ist gleichsam der Herzschlag des Museums, gespeist von dem Wasser, das dem Museum seine Energie zum Betreiben der ursprünglichen Mühle gab und nun namensgebend ist. Einen Bezug zu japanischen Zengärten findet man auch gleich beim Eintreten in die Ausstellung, der ganze erste Raum ist vom nordischen Künstlerinnenduo Nuleinn, Rine Rodin und Magga Ploder, gestaltet. Nuleinn leitet sich vom Binärcode ab. In feinfühligen, sinnlichen Videos, Performances und interaktiven Installationen ermöglichen die Künstlerinnen einen körperlichen und taktilen Umgang mit digitalen und technoiden Zukunftsszenarien. In der Arbeit „Erde“ kann man an einem vertikalen Holzstamm drehen, an dessen Fußende ein Rechen befestigt ist, welcher durch einen Kreis aus Sand fährt, der an einen kleinen Zengarten erinnert. Kaum setzt man einen Fußstapfen in den Sand wird dieser im nächsten Moment von einem selbst schon wieder ausgelöscht, sinnbildlich für den Kreis des Lebens. Die Videoarbeit „Drache“ ist inspiriert von der altnordischen Literatur Snorra-Edda, in der – unter anderem – von der Entstehung und dem Ende der Welt berichtet wird. Der schlangenartige Totendrache Nidhöggr nagt unentwegt an der Wurzel des Yggdrasils, des Baums des Lebens. „Blei“, „Winter“ und „Saturn“ sind weitere Arbeiten von Nuleinn. Diese beziehen sich alle auf Begriffe, die durch die Jahrhunderte mit Melancholie assoziiert wurden. So ordnete die mittelalterliche Astrologie den Planeten Saturn der Melancholie zu, als der im Altertum äußerste, am weitesten von der Sonne entfernte, kälteste und lebensfeindlichste Planet. Diesem ist wiederum das Element Blei zugeordnet, die Erfahrung der eigenen Schwere. 

Das 2007 in Bozen gegründete Arachne-Kollektiv, bestehend aus Ahmet Avkiran, Ariadne Sevgi Avkiran und Alex Samy nimmt in ihrer Installation „Arachne. Love Is Blue“ Bezug zur Arachne, einer Gestalt aus der griechischen Mythologie, eine unglaublich geschickte aber vermeintlich hochmütige Weberin, welche der Göttin Athena die Stirn bietet und im Weben herausfordert. Arachne gewinnt, wird aber daraufhin von Athena aus Wut – zum einen wegen ihren Darstellungen zu den Liebesaffären der Gottheiten, zum anderen aufgrund ihres übermenschlichen Geschicks – zu einer Spinne verwandelt, die ewig lebt und weben muss. Das Arachne-Kollektiv symbolisiert in ihrer Arbeit die Sagengestalt Arachne als gesellschaftliches, basisdemokratisches Aufbegehren gegen Autoritäten, als Selbstorganisation gegen Überreglementierung und inszenierte zur Eröffnung inmitten der riesigen hölzernen Spinnen-Marionette eine Performance mit Imke Logar-Thiessen, Desiree Zott-Mostetschnig, Walter Wratschko und Martha Laschkolnig. Johannes Puch kommentierte die Performance mit der Fotoserie „Gesponnenes und Gewebtes“ als Raum- und Szeneninterpretation.

Im katholischen Mittelalter und mit dem Erstarken des Christentums kommt die als Aecedia oder Pigritia bezeichnete Mönchskrankheit auf. Dem antiken „vita contemplativa“, dem Zulassen von Müßiggang und der damit vielleicht einhergehenden Kreativität folgt ein strenges „ora et labora“. Trägheit, Trübsinn, Pflichtvergessenheit und Niedergeschlagenheit sind bezeichnend für das Krankheitsbild, von der in erster Linie Mönche befallen wurden, dazu kommen ein Mangel an Frömmigkeit und das Vernachlässigen religiöser Pflichten. Die Aecedia oder auch Faulheit kommt schließlich als eine der sieben Todsünden über das Mönchstum hinaus in der gesamten Bevölkerung an. Traurigkeit und Melancholie begleiten die Aecedia als Gemütszustand. In der Renaissance ist es dann vor allem dem Philosophen Marsilio Ficino (1433-1499) zu verdanken, dass sich das Melancholieverständnis ändert. Er beschreibt, dass ausgeprägtes kontemplatives Denken zu höchsten intellektuellen und kreativen Fähigkeiten beflügeln kann und zieht eine Verbindung zwischen geistiger, anspruchsvoller Arbeit und melancholischem, tiefsinnigem Genie. Dabei kann es allerdings vorkommen, dass Genies sozial vereinsamen, denn im Erkennen um die eigene Unwichtigkeit und Unfähigkeit, die göttliche Wahrheit jemals zu verstehen, wird man trübsinnig. Wobei es aber auch im Durchmachen des Leidens zu einem spirituellen Erkenntnisgewinn kommen kann, was dann dem neuzeitlichen Verständnis von Melancholie näher kommt.

Das Künstlerinnenduo OneTwoMuch, Martha Laschkolnig und Marie Lenoble, verarbeitet in ihrer mixed-media Installation „Ich liebe dich, aber“, den eigenen Liebeskummer. Ein Porträtfoto der Künstlerin aus einer Serie von Fotos, die sie vom Liebeskummer überwältigt beim Weinen zeigt, wird von dem Schriftzug „ich liebe dich, aber“ und einem Spiegel ergänzt. Ja, auch die Liebe ist nicht gefeit vor Bedingungen. Friedrich Zorn simuliert in „Talking to Silicon“ eine ungewöhnliche Liebesgeschichte von ihm selbst mit Siri, auf Fragen wie „Liebst du mich?“ oder „Willst du mich heiraten“ antwortet Siri in gewohnter Manier mit „Diese Frage habe ich nicht verstanden.“. Nein, nicht alles kann von Siri beantwortet werden, wohl schon gar nicht Fragen um Emotionen und Sinnlichkeit. Obwohl Silicium als zweithäufigstes chemisches Element nach dem Sauerstoff einen sehr großen Teil von dem ausmacht, das wir sinnlich erfassen können. Sheida Samyi verwendet in der Foto- und Videoarbeit „Help Hopes / Hope Helps“ zwei eigene lyrische Texte, die gesprochen von Karin Loitsch und Christian Rainer und musikalisch untermalt von Jozej Stikar von der Hoffnung handeln, die in einem Hilfeschrei enthalten ist und von der Hilfe, die einem Hoffnung gibt. HST verarbeitet in „Crying Printers“ ein persönliches Trauma. Ein Text zu seiner eigenen Kummergeschichte wird in einzelne Buchstaben zergliedert, die in regelmäßigen Abständen aus zwei Laser-Druckern „geweint“ werden. Denn die Drucker sind auf den Augen seines übergroßen Porträts angebracht, die ausgeweinte Geschichte bleibt letztendlich aber nur dem Künstler bekannt. Klaus Karlbauer inszenierte eine Video- und Soundinstallation im Turbinenraum der Mühle. Er mischte zum Klang des Maschinenraums den alten Schlager der Bambies „Melancholie im September“. Dabei sieht man ein Video, dass ihn selbst bei dem Versuch zeigt, die Besucher und Besucherinnen des Museums zu greifen und ihr Herz zu berühren.

Traumsymboliken zeigen sich bei Loretta Stats „In The Pipe“, einem 2,65 m langem Rohr, Sinnbild im Traum für den Wunsch nach Kanalisation der eigenen Gefühle. Gegenstände, die  beim Blick durch das Rohr zu erkennen sind, lassen eigenen Gedanken und Assoziationen zu. Rudi Benétik verarbeitet in seiner gleichsam einem Bild an der Wand hängenden Installation „Traumtropfen“ farbiges Plastik und Glas auf einer verbrannten Matratze, wobei von dieser nur mehr das metallische Federkerninnenleben übrig blieb. Das Licht zeigt sich bei dem Triptychon „Orakel – Swinging In Minor“ von Johannes Deutsch nicht am Horizont, sondern es kommt vom unteren Drittel des Bildes und so schaut auch ein kleiner Bub mit dem Fernglas nach unten. Johannes Deutsch: „Hier wird zur Frage des Orakels ein vom Nebel geradezu unsichtbarer Ort gezeigt. Bei Not und Unsicherheit kann an diesem Ort keine ‚Sicht‘ und keine ‚Erkenntnis‘ erwartet werden. Ich erinnere mich an die Beschreibungen des großen Kulturhistorikers Aby Warburg, in denen dieser zeigt, wiewohl bereits im antiken Griechenland die Menschen wussten „das Geflecht unzähliger Sterne zu strukturieren und durch Zusammenfassung von wiedererkennbaren Formen von Sterngruppen die Grundlage zur Beobachtung zu legen“. So entstand langsam Ordnung in der Dunkelheit und der Nachthimmel bot Hilfe bei der Navigation. Aber im Orakel oder in der astrologischen Zuschreibung wurden und werden dann die Bilder der Orientierung bloß zu Projektionen von Urängsten.“

Die slowenische Künstlerin Meta Grugurevič bringt in ihrer Installation „Statement A“ eine persönliche Mutter-Tochter-Geschichte, wo es um die ungewisse Zukunft ihrer Tochter geht, mit dem Charlie Chaplin Film „The Great Dictator“ in Verbindung. Der Ausschnitt mit der Rede an die Soldaten ist an die Wand projiziert, ebenso die zeichnende Mutter und das unbeschwert tanzende Mädchen. Eine pneumatisch betriebene alte Schreibmaschine schreibt mit rhythmischen, kräftigen wie sich von selbst bewegenden Tasten immer dann die Rede an die Soldaten, wenn im Film nicht gesprochen wird und füllt die Leerstellen mit einem scharfen Klang, wobei das Wort „Soldaten“ immer ausgelassen wird.

Im Café Melancholie wurde auf Wäscheklammern und Schnur eine Fotostrecke von Detlef Löffler installiert mit Porträts von Josef Jakab und Franz Tschebular vom Komitee Grabkapelle Lippitzbach, die angrenzend an das Museum im Schloss Lippitzbach einen Geschichtsverein betreiben. Im Volksmund ist die Nostalgie die Schwester der Melancholie.

So unterschiedlich die einzelnen Positionen in ihren Facetten, Emotionen und Bildern auch sind, so erkennt man dann doch in der Auseinandersetzung mit den Arbeiten, dass sie alle mit der Melancholie als gesellschaftliches Problem einer tief sitzenden Sehnsucht nach Gerechtigkeit assoziiert sind. Bestimmt ist auch die eine oder andere Arbeit aus einer melancholischen Grundstimmung heraus angeregt worden.

 

MAB 2014 – 2017

2014

SLOW! ERSTER WELTKRIEG DADA

Ariadne Avkiran, Alois Hechl-Kreuter, Marc Horisberger, Alexander Kandut, KopKonst (Katrin Ackerl Konstantin und Rosalia Kopeinig), Paul Kronawetter, Detlef Löffler, Burgi Maierhofer, Peter Moosgaard, Melina Kumer, Sheida Samyi, Peter Scharmüller, Christoph Schwarz, Herwig Steiner, Friedrich Zorn.

Soldatengruesse aus Klagenfurt

Komitee Lippitzbach (Josef Jakab, Franz Tschebular): Feldpost, Fotos, Ansichtskarten. Frank Waltritsch: Open System Model. Rainer Peraus – Barbara Peraus – Marion Slunsky: Dream Can Project.

Siegerposen-Performance SUPERSTARK: Ahmet Avkiran, Niki Meixner, Tina Perisutti, Sigrid Seberich und Urban Playground (Markus Krasser, Peter Piuk, David Schessl).

2015

VON OBEN. GOD VIEW. Klettern, Fliegen, Raumfahren und der veränderte Blick auf die Gesellschaft

Vooria Aria, Rudi Benetik, Jean-Marc Caracci, Patricia Deisl, Gernot Fischer-Kondratovitch, Gernot Gleiss, Rahman Hak-Hagir, Alois Hechl-Kreuter, Klaus Karlbauer, Sigi Kulterer, Detlef Löffler, Burgi Maierhofer, Peter Moosgaard, Robert Rottensteiner, Anna Rubin, Robert Schabus, Christoph Schwarz, Sheida Samyi/ Katrin Ackerl Konstantin, Nicole Six und Paul Petritsch, Loretta Stats, Herwig Steiner, Wolf Stefan Vogler, Friedrich Zorn.

Beiträge von Monsignore Johann Dersula, Komitee Lippitzbach

Sammlungsbeitrag von Peter Piccottini (Bionisches Mind).

RUDEN LIVE ART (1)

Samstag 8. August

THIS WAY, Rahman Hak-Hagir (The Other Society – OS) – 2#CYBORG IS NOW, Nuleinn (Denmark) – :ÜBERFLIEGEN:, Katrin Ackerl Konstantin, Sheida Samyi

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Sonntag 9. August

OBEN UND UNTEN , Imke Logar-Thiessen, Irina Lopinsky, Larissa Lopinsky, Annamaria Kutej, Stefan Kollmann, Valerie Logar – SELECTION, Rahman Hak-Hagir – VON OBEN: INNEN, Christina Clar & Maki Stolberg

2016

SCHÖNE OPERATION. DESIGNING (POLITICAL) BEAUTY

Vooria Aria, Ariadne Sevgi Avkiran, Ona B, Patricia Deisl, Karen Elliot, Sahar Fetrat, Gernot Gleiss, Rahman Hak.Hagir/ Lena Catalina Stan, Alois Hechl-Kreuter, Zenita Komad, Martha Laschkolnig, Marie Lenoble, Detlef Löffler, Sarah Lumen Heine, Burgi Maierhofer, Peter Moosgaard, Nuleinn, Andrea Rust, Sheida Samyi, Martin Schöffmann, Loretta Stats, Herwig Steiner, Evelin Stermitz, Anna Vasof, Dolores XT, Zentrum für politische Schönheit, Friedrich Zorn.

Beiträge von BKK-3, KPD Drava, Klimabündnis, Komitee Lippitzbach, NMS Bleiburg/ Pliberk, Fotowettbewerb: Foto Horst. Eröffnungswochenende: Kooperation mit Galerie 3/ Flux 23, Kunstraum Lakeside, Unikum, KopFiNdeRwaNd.

Sammlungsbeiträge von peace in action: Relikte der Aktionen (Dauerleihgabe), Robert Jelinek: Der Konterfei

PARALLEL VIENNA 2016

STIMME ERHALTEN – ALLES GUTE KOMMT VON OBEN – DIE RADIESCHEN VON UNTEN ANSCHAUEN, Installationen, Herwig Steiner.

2017

GAMES & CIRCLES. Feste, Spiele und ihre Innen-/ Außenwirkung

Vooria Aria, Johannes Deutsch, Gernot Fischer-Kondratovitch, Alois Hechl-Kreuter, Matthias Klien, Vera Lambert Kaplan, Martha Laschkolnig (OneTwoMuch), Marie Lenoble (OneTwoMuch), Detlef Löffler, Burgi Maierhofer, Gerhard Maurer, Peter Moosgaard, Nuleinn (Magga Ploder und Rine Rodin Flyckt), Markus Orsini-Rosenberg, Fritz Oelberg, Sebastian Pfeifhofer, Gerhard Pilgram, Petar Pismestrović, Loretta Stats und Friedrich Zorn, Herwig Steiner, Evelin Stermitz, Gabriele Sturm, Anna Vasof, Felix Weisz, Dolores XT, Aram Zarikian.

Beiträge von VS Ruden, Komitee Lippitzbach. Eröffnungswochenende: Kooperation mit Galerie 3/ Flux 23, Kunstraum Lakeside, Unikum, KopFiNdeRwaNd.

Sammlungsbeitrag von Zenita Komad: One Goal – das CircleXperiment (Dauerleihgabe Alex Samyi)

RUDEN LIVE ART (2)

Donnerstag 27. Juli: SCHÖNE NACHT der offenen Ateliers: Tour durch die Ateliers von Sigi Kulterer, Burgi Maierhofer, Harald Scheicher, Karl Vouk, Edwin Wiegele.

Freitag 28. Juli: Nuleinn: Yogabots, Martha Labil: Count Out/ Count In, Die Großen Ferien: Anti-Eternia.

Samstag 29. Juli: DURCH RUDEN DURCH – 5km-Lauf durch Kirche, Amt, Schule, Wohnungen, Höfe durch. Ziel: Picknick am Lippitzbacher Drauufer.

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Sonntag 30. Juli: Ensemble Pension Linde: Das Interview, CS unterwegs: Blechreiz Brassquintett und Nataša Konzilia (Kooperation mit dem Carinthischen Sommer), Theater WalTzwerk: Krieg. Stell dir vor, er wäre hier.

 

PARALLEL VIENNA 2017

LOOPHOLE, Anna Vasof (in Kooperation mit dem Kunstraum Lakeside).

 

 

 

 

MELANCHOLIE

“Melancholy is sadness that has taken on lightness.” (Italo Calvino). Nach Victor Hugo ist „die Melancholie das Vergnügen, traurig zu sein“.

Früher wurden Menschen, die dauerhaft traurig sind, unter Generalverdacht gestellt als konstitutionelle Abweichler, vor denen man auf der Hut sein muss.

MUSEUM AM BACH/ MAB

Das Museum am Bach in Ruden sammelt soziale Modelle und Utopien der Kunst. Es soll ein neues und umfassenderes Bewusstsein der Gesellschaft geschaffen werden. Seit September 2018 findet dieses Forschen im Rahmen von kollaborativen Arbeitsgruppen statt, mit Kunst, Sozialphilosophie und Geschichte an einem Tisch. Die jährlich wechselnden Themenausstellungen zu aktuellen Gesellschaftsphänomenen vermitteln zudem neue Tendenzen der zeitgenössischen Raum- und Medienkunst. 

MELANCHOLIE – KUNSTAUSSTELLUNG IN MOLL 

Der Soziologe Wolf Lepenies spricht von der Melancholie als gesellschaftliches Problem: Sie beschreibt den Zustand von jemanden, der etwas tun will, es aber nicht tun kann (Handlungshemmung). Man ist auf das Denken zurückgeworfen. Hier kann bedeutende Kunst oder ein völlig neues Weltkonzept entstehen. 

 

Wenn Sie auch einen Blick unter den Tisch werfen möchten

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Drei Installationen des Medienkünstlers Herwig Steiner/ HST/ Herwig Beo Labostella 2016 bei der Parallel Vienna in Alten Post in Wien, Dominikanerbastei.

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  1. Sprichwortinstallation: Die Radieschen von unten anschauen: ein Schreibtisch mit neun Bohrungen, darüber ein rechteckiges Beet aus Torferde, darunter die Enden frischer Radieschen.
  2. Sprichwortinstallation: Alles Gute kommt von oben: Seilbahn mit Gummibärchen und Foto vom Künstler mit Schild: Alles Gute kommt von oben. Videodokumentation „Von oben“, MAB 2015.
  3. Originale Wahlkabine aus Ruden mit Kopfhörer, manipuliertem Stimmzettel und Hinweis: Stimme erhalten, dazu die Audio-Aufnahme von einem Gespräch des Künstlers mit seinem vierjährigen Sohn darüber, was er denn  (der „Papa“) einmal werden möchte, wenn er groß ist.

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Das finale Ergebnis jeder Arbeit ist, dass man sich die Radieschen von unten anschauen darf .

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Wie wichtig ist uns die Schönheit…

…von Taten, Handlungen, Operationen? Wie schön wären diese, wenn wir genau das wollten, eben dass sie schön sind?

15 Künstler und 21 Künstlerinnen: SCHÖNE OPERATION, Mai bis Oktober 2016.

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Das Akzeptierte funktioniert nicht mehr, das Neue ist noch nicht akzeptiert. Veränderung ist oft mit Schmerz verbunden.

Bionikum, Die Verknüpfer, BKK-3, Klimabündnis und Kärnten Solar. Zentrum für politische Schönheit.

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Anna Vasof, Brake Dance.

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Zenita Komad, One Goal – das circleXperiment.

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Rahman Hak-Hagir, Divided Society

Nuleinn (01), F7UIDS (Version II)

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Friedrich Zorn und Kinder, Schönheit total

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Ariadne Sevgi Avkiran, Tactile Art

Detlef Löffler

peace in action – Dauerleihgabe/ Sammlungsbeitrag

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Neu: Beginn der Inventarisierung. Die Kategorien der Sammlung sind:

  1. Qualität der Kommunikation (C)
  2. Horizonte des Denkens/ politisches Framing/ ideologische Ausrichtung (I)
  3. Individuelle Rechte (R)

Herwig Steiner, Schöne Operation am eigenen Beispiel, Unschöne Operationen 1 – 4

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Fotos: Instagram

Das Schöne

Ich beziehe mich auf die altpersische Poesie, in der das Schöne mit der Süße des Honigs verglichen wird, um folgende These aufzustellen: die Bedingung des Schönen ist wie bei der Süße des Honigs Austausch und Kooperation.

Honig entsteht durch Kooperation: Nachdem die Sammelbiene genügend Blütennektar oder Honigtau (Meltau der Blatt- und Schildläuse) gesammelt hat, fliegt sie zurück zu ihrem Blütenstock. Dort übergibt sie den gesammelten Saft an eine Stockbiene, die ihn wiederum weiter und weiter gibt. Dabei gelangen immer wieder körpereigene Stoffe (Aminosäuren, Enzyme) der Bienen in den Nektar und bewirken, dass der Honig haltbarer wird. Gleichzeitig verliert der Blütennektar an Wasser und wird so immer zähflüssiger. Der beim Eintreten in den Bienenstock abgestreifte Pollen wird von den sogenannten Ammenbienen in Futtersaft umgewandelt und für die Aufzucht der Jungbienen gebraucht.

 

Alex Samyi, Ruden

SLOW! 2014

Slow! Erster Weltkrieg Dada

 

Ausstellungsverzeichnis

1

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FAST SLOW. ENJOY THE RULES

Parcours

zur Rolle der Frau in der Gesellschaft aus 10 an Baumstämmen befestigten Tagebuch- und Brief-Auszügen, die dem Buch „Heimat/Front“ von Christa Hämmerle entnommen sind und entlang dreier Fischteiche vom Schicksal dreier Frauen im Ersten Weltkrieg zeugen. Das Buch ist im Böhlau-Verlag erschienen.

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Katrin Ackerl Konstantin

ist Schauspielerin und Regisseurin und beschäftigt sich mit dem Terminus „Participating Arts“ als interdisziplinäre und partizipative Forschungsstrategie mit künstlerisch-wissenschaftlichem Ansatz. Prämierte Arbeiten und Auszeichnungen. Internationale Projekte und Publikationen zum Thema Performance und Performativität.

Rosalia Kopeinig

ist Psychologin und Pädagogin. Geschäftsführerin des Carinthian International Club sowie Mitbegründerin der International School Carinthia. Arbeitet zum Thema Diversität und Migration in den Bereichen Bildung und Beratung. Lehrtätigkeit, Publikationen und prämierte interkulturelle Projekte.

2

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(DE)MONTAGE DER NARRATION

Video-Projektion

Was hätte den Ersten Weltkrieg verhindern können? Einem Western sind die genretypischen Handlungsabläufe entzogen. An ihrer Stelle Endlosschleifen aus rein visuellen Reizen.

Friedrich Zorn

studierte bei Ruth Schnell an der Universität für angewandte Kunst in Wien Digitale Kunst.

3

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MANIFEST VON BAD ISCHL

Kopie

Das Original befindet sich im Oberösterreichischen Landesarchiv. Am selben Tag der Kundmachung vom 28. Juli 1914 beendete Kaiser Franz Joseph I. seine Sommerfrische und kehrte nach Wien zurück. In seiner Kriegserklärung an Serbien hat er sich auf die Vorsehung berufen. Die Umtriebe eines hasserfüllten Gegners hätten ihn dazu gezwungen, zur Wahrung der Ehre seiner Monarchie zum Schwert zu greifen.

4

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SUPERSTARK

Eröffnungsperformance

vom 28. Juli 2014, 19:00 Uhr. Dadaistisch den Hang vor dem Museum herab stolpernde Heldenparade mit Ahmet Avkiran, Niki Meixner, Tina Perisutti, Sigrid Seberich und Urban Playground – den Parkour Akrobaten Markus Krasser, Peter Piuk, David Schessl. „Dumm, dumm, dumm, jetzt wird geschossen!“

5

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PLUS

Serie Fotos/Interventionen – Lippitzbachbrücke

An fünf historisch aufgeladenen Orten Unterkärntens und am Heldenplatz in Wien wurden dieselben zwei weißen Stoffbahnen aktionistisch zu „Plusen” ausgebreitet und fotografisch in Szene gesetzt. Die großformatigen Bilder sollen zum hinzu Projizieren und neu Verstehen einladen. Viele Wunden sind noch nicht geheilt.

Detlef Löffler

in Freiburg geboren, in Bayern und Kärnten aufgewachsen, lebt und arbeitet in Wien und Kärnten. Bekannt ist er für seine Foto-Recherchen an Orten, die aus dem kollektiven Gedächtnis zu verschwinden drohen (Fotobuchproduktionen).

6

Spielplatz

HOLZBAUSTEINE

Vermittlungs-Spielplatz für Kinder und Erwachsene. Schwungseile und Türme aus Holzbausteinen auf engstem Raum.

Peter Kramer

Tischler, Nachbar.

7-8

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AN MEINE ZAPF DINGBATS

Laserprint und Reenactment

der „kaiserlichen Kriegserklärung“. Ausstellung und dreistündige detaillierte Verlesung des in die „Zapf Dingbats“ des Typographen Hermann Zapf übertragenen Manifests von Bad Ischl im Turbinenraum des hauseigenen Kleinstkraftwerks vom 28. Juli 2014, im Rahmen der Museumseröffnung – Stern, Dreieck, groß, klein usw.

Herwig Steiner

HST

In den Bereichen Medienkunst, Film und Musik tätig. Entwickelt, produziert und promotet Projekte an den Schnittstellen nicht spezifisch gebundener Medien. Seine Experimente konzentrieren sich auf jene Phänomene, in der die virtuelle Welt in die reale eindringt. Lebt und arbeitet turnusmäßig in Wien und Villach. Studierte 2000 – 2006 an der Universität für angewandte Kunst, Wien Digitale Kunst / Visuelle Mediengestaltung unter den Professoren Peter Weibel, Thomas Fürstner und Karel Dudesek.

9

SYSTEMKUNDEKASTEN

Objekt

Alex Samyi

Geb. 1958 in Wien, lebt in Ruden. Gründer und Leiter des Museum am Bach, Museologe (Masterlehrgang an der Universität für angewandte Kunst, Wien), Künstler und Szenograf.

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WENN DAS WÖRTCHEN WENN NICHT WÄR

Video, 00:00 Min.

Die Frage was wäre, wenn es den Ersten Weltkrieg nicht gegeben hätte, wird hier mit einem leer bleibenden Monitor und offener DVD-Lade beantwortet.

HST

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HOR

JEDE MINUTE PASSIERT ETWAS

Video, 03:17 Min.

Der Blick auf einen dicht bewaldeten Abschnitt der Gießbachbahn, welche im Jahre 1910 eröffnet wurde und der Beförderung von Touristen vom Ufer des schweizerischen Brienzersees hinauf zum Grandhotel Gießbach diente und heute noch dient, behandelt die Zahnradbahn als minütlich vorbeiziehendes Ereignis und Schweizer Idylle nostalgischer Langsamkeit. Der europäische Aufbruch in die Moderne hätte so stolz und erhaben ewig fortgesetzt werden können, wenn es nicht auch die andere Seite, die Mittellosigkeit gegeben hätte,

Marc Horisberger

Geboren 1968. Diplom in Bildhauerei der Schule für Gestaltung Bern sowie einen Masterabschluss in Ausstellungstheorie und -praxis der Universität für angewandte Kunst in Wien. Seinem ursprünglicher Studienabschluss in Internationalen Beziehungen an der Universität St. Gallen folgte ein Doktorat in Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Fribourg. Marc Horisbergers künstlerische Tätigkeit umfasst Arbeiten in den Bereichen Fotografie, Video, Bildhauerei und Installation. Als freier Künstler und Kurator ist er vorwiegend in der Schweiz und Österreich tätig.

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Schwarz

URLAUBSGRÜSSE

Video-Intervention

in den Feldpost-Raum. Das Video aus dem Jahr 2006 unterlegt Filmaufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg mit Big-Band-Sound und „Urlaubsgrüßen“ aus den 1950ern.

Christoph Schwarz

1999-2006 Universität für angewandte Kunst, Wien – Medienkunst bei

Prof. Peter Weibel, Prof. Karel Dudesek, Prof. Tom Fürstner

2003/2004 VŠUP Prag, Akademie der Künste, Konzeptkunst bei Prof. Jiři David.

2004/05 Osteuropäische Geschichte an der Universität Wien

2006/07 Städte- und Regionalplanung an der Technischen Universität Wien

Preise und Auszeichnungen (Auswahl)

2013 ORF III Artist-in-Residence

2011 Vienna Independent Shorts, Audience Award, VAM Nachwuchspreis

2010 BMUKK Startstipendium Medienkunst

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My beautiful picture

FELDPOSTRAUM

In dem in die Ausstellung integrierten Heimatkunderaum werden zensurierte k.u.k.-Feldpost-Gruß-Karten gezeigt, die den Krieg wie einen Spaziergang erscheinen lassen. Zwei Wände voll hat der Sammler und Nachbar Franz Tschebular zusammen getragen. Er und Josef Jakab sind das Komitee Lippitzbach und in allen heimatkundlichen Fragen Dauerpartner des Museums am Bach. Jakab hat Ansichten von Ehrenpforten beigesteuert, die 60 Jahre vor dem Krieg zum Empfang des heranreisenden Kaisers in ganz Kärnten aufgestellt worden waren (siehe Bericht unten) und nun neben Erinnerungsstücken aus dem eigenen Dachboden dem Konzept der k.u.k.-Propaganda nachspüren.

Mit den Interventionen von Christoph Schwarz (Urlaubsgrüße) und Herwig Steiner (9500 Villach) gehört der Raum zu den dramaturgischen Schlüsselstellen der Ausstellung.

Auszüge aus dem Bericht „Reise Ihrer k.k. Apostolischen Majestäten Franz Joseph und Elisabeth durch Kärnten“ vom September 1856:

„Gegen Ruden zu wehten von der auf dem Lisnaberge thronenden Wallfahrtskirche, so wie von der hohen Burgruine Weissenegg kolossale Fahnen und donnernde Pöller dem Allerhöchsten Reisezuge entgegen, der in dem reich mit Blumen und Waldesgrün geschmückten Dorfe Ruden von der Bevölkerung mit donnernden Vivats begrüßt wurde.

Von hier führt ein Seitenweg in die Thalschlucht, wo an dem Ufer der Drau das dem Grafen Ferdinand Egger gehörige Eisenwalzwerk Lippitzbach liegt, und der Besitzer eine reizende Villa und einen großartigen herrlichen Park hervorgezaubert hat.

Den oberen an die Reichsstraße grenzenden Platz (siehe unten) hatte die Munificenz und der Geschmack des Besitzers auf überraschend sinnige und reizende Art ausgestattet. Dort wurden die Allerhöchsten Majestäten von einer großen, aus der Umgebung besonders von den jenseits der Drau gelegenen Ortschaften herbeigeeilten Menschenmenge mit Ehrfurcht und freudevollem Zurufe begrüßt, während eine im Park aufgestellte Musikkapelle die Volkshymne ertönen ließ und der Donner von Freudenschüssen über die Fluren rollte. Seine Majestät ließen anhalten. Graf und Gräfin von Egger traten zum Wagen und hatten die Ehre Ihre Majestäten anzusprechen und höchstdenselben im zierlichen Körbchen frisches Obst überreichen zu dürfen, welche Gabe mit huldvollen Dankesworten aufgenommen wurde.

An der Tiefenbacher Realität, wo der Bau einer neuen, gewölbten, dreizehn Klafter über die Thalsohle sich erhebenden steinernen Brücke geführt wurde, war das eben zur Einwölbung fertig gewordene Gerüst (siehe Abbildung) unter Anleitung des Inspicienten k.k. Baueleven Franz Schuller auf das Zierlichste mit Zweigen, Blumen, Kränzen und Fahnen, durch ein aus Arbeitsgeräthen gebildetes Tableau geschmückt, und die Arbeiter mit Fähnchen theils am Gerüste, teils am Wege aufgestellt. Hier wurden Ihre Majestäten von dem herzlichen Zurufe des versammelten Volkes und den donnernden Eviva`s der italienischen Arbeiter begrüßt. Baueleve Schuller hatte das Glück, über den Bau Bericht erstatten zu dürfen und mehrere darauf bezügliche Fragen zu beantworten.“

Dem Bericht angehängte „Beschreibung der Ausschmückung des sogenannten Hanselplatzes vor dem Parke des Herrn Ferdinand Grafen von Egger in Lippitzbach“:

„Das bestehende, den Park einfriedende Klötzelgeländer war mit einer Anzahl von über hundert Stück Blumenbouquets geziert. Auf dem grünen Rasenplätzchen unmittelbar hinter der Einfriedung stehen zwei von dem im Hintergrunde liegenden Walde vortretende riesenhafte Tannen. Der Zwischenraum dieser zwei Bäume war mit einer staffelförmigen Gruppierung der seltensten Gewächse in den beliebten Vasen antiker Form aus Thon ausgefüllt. Ueber dieser Blumenstaffage waren aus den ausgesuchtesten Georginen nach bestimmten Farben verschmolzen die Namenszüge der Allerhöchsten Majestäten und der kaiserlichen Prinzessinnen Sophie und Gisela, sämtlich mit schönen Blumenguirlanden umwunden, zusammengestellt.“

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9500 VILLACH

Intervention in den Feldpost-Raum

Eine in die Reihe der Feldpostkarten geschmuggelte Ansichtskarte von Villach mit Spuren einer abgebrochenen Aktion. Mit rund 60.000 Nadelstichen wäre das Panorama der Stadt zur Gänze pulverisiert worden. Zu zweit hätte man dafür 8 Stunden benötigt. Die Zahlen beziehen sich auf die im Ersten Weltkrieg Gefallenen pro Tag, die Einwohnerzahl Villachs und die Dauer eines Arbeitstags.

HST (zusammen mit Peter Moosgaard)

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Kandut9

KANNST DU

IN BALANCE SEIN,

WENN DER REST DER WELT

SEINE IDENTITÄT

NICHT MEHR SUCHT?

DIE VERLORENHEIT

ÜBERWINDEND –

JETZT –

INMITTEN VON

SOMMERREGEN,

SICH (DIR)

DAS SELBST -ERBLÜHT!

Auf einem dünnen Stahlseil quer auf Bauchhöhe hängt eine rund 200kg schwere Eichenholz-Skulptur. Perfekt ausbalanciert suggeriert sie dennoch Leichtigkeit.

Alexander Kandut

Geboren 1962 in Klagenfurt. 1988 Diplom an der Akademie der Bildenden Künste Meisterklasse für Bildhauerei bei Prof. Gironcoli.

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Weltenschluckerl

DER WELTENSCHLUCKER

Öl auf Leinwand, 2014, 50 x 65cm

WEIBSBILD SUCHT EIN FRAUENZIMMER

Gouache und Lack auf Papier, 2009, 30 x 27cm

CHARLY UND DIE BUMSTRARA

Gouache und Lack auf Papier, 2003, 30 x 27cm

TOTENSCHÄDEL

Gouache, 30 x 30cm

PISTOLE

Gouache, 30 x 30cm

Der „Weltenschlucker” lässt sich so interpretieren, dass hinter der Fassade der Demokratie, in den Schulen, Ämtern und Firmen immer noch Einzelne wie Diktatoren über die Köpfe der anderen hinweg entscheiden.

Burgi Maierhofer

St. Agnes bei Völkermarkt. Geboren 1944 in Bleiburg. Zeichnen, Malen und Kunstgeschichte bei Prof. Erich Trost, Klagenfurt.

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PLUS

Serie Fotos/Interventionen – Grabkapelle Lippitzbach

Detlef Löffler

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http://www.friedrichzorn.com/walking.html

FLAKISOUNDI

Schuhkamera-Video

Krimi ohne Handlung. Der Titel bezieht sich auf der Rhythmus der Schritte in einem betonierten Treppenaufgang. Eine Frau in Schuhen mit hohen Absätzen wird verfolgt.

Friedrich Zorn

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OSM

SYSTEMISCHE REIFEENTWICKLUNG –

PERSÖNLICHE VERANTWORTUNG

Grafische Darstellung des Open System Model® des Tiroler Architekten Kambiz Poostchi.

Frank Waltritsch

Lebt und arbeitet in Villach (coachingpartner). Absolvent der HTL in Klagenfurt. Systemischer Coach, Trainer, Lehrgangsleiter, Künstler, Sportler, Körpertherapeut.

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FERNEISEN

Objekt

Readymade. Industriell gefertigtes Abbruch- oder Einbruchwerkzeug, das mit einem Zielfernrohr ausgerüstet ist.

Peter Moosgaard

Geboren 1983, lebt in Wien. Absolvent der Universität für angewandte Kunst, Wien.

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Kumer

BETEN WIR FÜR DIE GEFALLENEN

Herrgottswinkel gehäkelt

Im Winkel ein Rosenkranz aus fein umgarnten Steinen und Gewehrpatronen…

Melina Reichmann

St. Michael ob Bleiburg. Ausbildung: Industrie- und Objektdesign in Ferlach. Masterclass für Objektdesign an der italienischen Privatschule Scuola Italiana Design. Praktikum bei Geox und Diesel. Seit 2013 arbeitet sie selbstständig in den Bereichen Schmuck- und Grafikdesign.

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KONTRASTE

Öl auf Leinwand

Die meisten Menschen verfügen über ein Schutzventil, das sich von selbst schließt, wenn ihnen die Eindrücke von außen zuviel werden. Hier übernehmen feine Pinselstriche und starke Hell-Dunkel-Kontraste das Filtern und Abblocken.

Paul Kronawetter

Feistritz/Drau. Studierte bei Gunther Damisch an der Akademie der bildenden Künste in Wien.

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DICKE BERTHA

Edding 3000, 1994-2014

Wie entsteht Ding-Bedeutung? Auf einem roten Samtkissen ist ein stark abgenützter Eddingstift des Künstlers platziert, der wegen seiner Reichweite den Spitznamen „Dicke Bertha” bekommen hat. Dicke Bertha nannte man im Ersten Weltkrieg die schweren Mörser, die bis zu 14 Kilometer weit entfernte Ziele treffen konnten.

HST

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Alois

NICHTS SEHEN, NICHTS HÖREN, NICHTS SAGEN

Installation aus mundgeblasenen Glaskörpern und Eisenstäben

Wie geht man mit den Fehlern der Gesellschaft um? Die drei auf den unbehandelten Betonboden gelegten Glaskörper haben die Empfehlung der „Drei Weisen Affen“ übernommen.

Alois Hechl-Kreuter

Geb. 1961 in Tirol. Glasfachschule in Kramsach in Tirol. Betreibt in Villach eine Glas-Werkstatt und ein Geschäft. Gründete 2004 mit Alex Samyi das Duo Hechl-Kreuter/Samyi.

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Scharm

INTER.FACE

Videoinstallation

Diplomarbeit 2014

Der mit vier Monitoren in die vier Himmelsrichtungen weisende Videoturm reiht scheinbar wahllos aktuelle Kriegspropaganda aus dem Internet und Satellitenfernsehen aneinander. Der kommentierende Ton ist abgedreht. Die Quellenhinweise am oberen oder unteren Rand der Bilder bestätigen aber, dass hier Terroreinheiten genauso wie Regierungs- und Friedenstruppen durchwegs ähnliche Rechtfertigungen abgeben.

Peter Scharmüller

Oberdrauburg. Studierte 2004 bis 2014 an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Arbeitet bei den Austrian Armed Forces, Jägerbataillon 25, welches auf Friedenseinsätze in Krisengebieten spezialisiert ist.

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KLEIDERTAUSCH

Videoduett mit Herwig Steiner und Martin Dueller

Länge: 25:20 Min.

Ein Reenactment des „kaiserlichen Kleidertauschs“ von Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolaus II. von 1913.

HST

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PLUS

Serie Fotos/Interventionen – Lippitzbachgraben

Detlef Löffler

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Aug

AUGENSTUDIEN

Holz- und Linolschnitte auf Stoff

Das Auge als Tür zur Seele ist das Motiv einer Serie sinnlich ansprechender Holz- und Linolschnitte auf Stoff.

Ariadne Sevgi Avkiran

Geboren in Wien, aufgewachsen in der Türkei und Südtirol, ist ausgebildete Modedesignerin und studiert/studierte in Graz transkulturelle Kommunikation / Dolmetsch Englisch, Türkisch. Kurse klassischer Drucktechniken in den USA.

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AugSheida

GLEICH / EVEN

Lyrik und Video, 04:25 Min.

Stimme: Ildiko Babos, Schauspielerin, Wien

Das s/w-Video zeigt in schneller Abfolge verunsicherte, lächelnde, ernste, traurige, glückliche und nachdenkliche Augen aus der Zoomperspektive einer filmenden Kleinbildkamera. Synchron verhandeln Wortspiele die Gleichheit der Menschen: „sind wir nicht alle – gleich – gültig… und …warum nicht – gleich?“.

Sheida Samyi

Ausbildung zur Computergrafikerin an der Parsons School of Design in New York. Arbeitet als Lyrikerin und Typo-Künstlerin vorwiegend in den Bereichen der bildenden Kunst.

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PLUS

Heldenplatz

Detlef Löffler

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DREAMCAN PROJECT

Am Eröffnungsabend, in einem zum sogenannten „Traum-Inkubator“ umgebauten Oldtimer-Campinganhänger haben Rainer und Barbara Peraus sowie Marion Slunsky von der youtopia-Group  interessierte Gäste gebeten, ihre (Zukunfts-)Träume auf Zettel zu notieren. In einem „abschließenden“ Akt wurden diese ersten Träume eines mehrjährigen Interviewprojekts in Dosen „abgefüllt“. Wann und ob diese wieder geöffnet werden, steht noch nicht fest.

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Text

ROBERT-MUSIL-ABEND

19. September 2014, 19:00

Mittels eines Microsoft-Word-Tools wurde Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften” auf 40 kurze Sätze reduziert und szenisch vorgetragen. Kreativ angeleitet hat den Abend die Literaturforscherin Regina Schaunig. Ihr Buch „Der Dichter im Dienst des Generals“ über Robert Musil als Propagandaautor des Ersten Weltkriegs, das im kitab-Verlag erschienen ist, war Ausgangspunkt anschließender Ausführungen des Historikers und Verlaggründers Wilhelm Baum zur Kriegsbejahung der Intellektuellen am Beginn des 20. Jahrhunderts.

Fotos: Marc Horisberger, Detlef Löffler, Barbara Peraus, Alex Samyi, Iris Wiegele

Text: alex samyi