img_2227

Wenn Sie auch einen Blick unter den Tisch werfen möchten?

img_2319img_2304

2016 bei der Parallel Vienna in Alten Post in Wien, Dominikanerbastei. Das MAB präsentierte drei Installationen des Medienkünstlers Herwig Steiner/ HST/ Herwig Beo Labostella: parallele Interventionen in Gespräche mit dem Künstler-Museologen Alex Samyi über den Sinn des Sozialmodelle-Museums der Kunst im abgelegenen Ruden.

Auch sein von der Baha`i-Welt inspiriertes Gesellschaftsmodell, nämlich die „Weltherrschaft der Dörfer mit den Museen als neue politische Zentren“ sollte diskutiert werden. Von den rund 15.000 Besuchern/ Besucherinnen der Parallel wurden etwa 1000 direkt erreicht. Die Parallel brachte dem MAB nicht nur neues Insider-Publikum sondern auch bessere Formulierungen für seine Mission, nämlich über das Instrument der Selbstaufklärung ein neuartig ganzheitliches Bewusstsein der Gesellschaft herzustellen. Die Aufforderung, einen Blick auch unter den Tisch zu werfen, war der Standard-Einstieg für vielleicht 200 Gespräche.

img_2343

Zimmer 2.52 – ein Sitzkreis aus fünf leeren Stühlen vor den drei Installationen:

  1. Sprichwortinstallation: Die Radieschen von unten anschauen: ein Schreibtisch, darauf ein rechteckiges Beet aus Torferde, darunter aus neun Löchern ragend die Enden frischer Radieschen.
  2. Sprichwortinstallation: Alles Gute kommt von oben: grüner Startknopf, in einer kleinen Seilbahnkiste Gummibärchen und ein Foto vom Künstler. Videodokument der Installation aus der Ausstellung „Von oben“ im MAB 2015.
  3. Eine originale Wahlkabine aus Ruden mit Kopfhörer und manipuliertem Stimmzettel als Hinweis: Stimme erhalten. Die Audio-Aufnahme von einem Gespräch des Künstlers mit seinem vierjährigen Sohn darüber, was er denn, der „Papa“ einmal werden möchte, wenn er groß ist.

img_2363

Was ist der Sinn von aller Arbeit? Das finale Ergebnis ist zwar immer, dass man sich die Radieschen von unten anschauen darf aber was bleibt? Genau darauf baut die „Weltunion der Gemeinden“ auf – was der Einzelne in die Gesamtgesellschaft einbringen kann. Anstelle der Weltherrschaft der Präsidenten wird eine Neuorganisation der Welt von unten nach oben vorgeschlagen.

img_2149

Schöne Ausstellung

Adobe Photoshop PDF

Das Plakat (oben) zur diesjährigen Sonderausstellung SCHÖNE OPERATION zeigt eine schöne Operation des „Zentrums für politische Schönheit“, mit der das Berliner Künstlerkollektiv bereits 2015, ganz am Anfang der sogenannten Flüchtlingskrise Schlagzeilen machte. Erst von dieser einen verankerten Rettungsplattform wurde berichtet – 1000 sollten es sein. Weiterhin ertrinken im Mittelmeer zwischen Tunesien und Sizilien jährlich mehrere 1000 Kinder, Frauen und Männer, die nach nichts anderem suchen als Zuflucht und Freiheit.

Rahman Hak-Hagirs Denk-Labor „Divided Society“ spiegelt das Dilemma, dem die Gesellschaft gegenwärtig ausgesetzt ist. Sie soll zwischen den alten und neuen Maßstäben wählen, doch während die alten nicht mehr taugen, weiß man mit den neuen noch nicht wirklich was anzufangen.

Zenita Komad – die Nr. 3 der österreichischen Künstler/ Künstlerinnen unter 40 – zeigt ihr Modell von einem Sitzkreis in einem Fußball-Stadion mit nur einem Tor (One Goal), nämlich vor dem Plakat: It`s time for spiritual action!

 

IMG_20160508_161244

Die meisten Probleme unserer Zeit kommen vom Mangel an Gelegenheit, sich mit anderen Gesellschaftsgruppen geistig auszutauschen.  Es wird zu eng gedacht. Die Museen können dem entgegen wirken. Sie können ein Gegengewicht zur Tagespresse bilden, die aktuell mit den Schlagwörtern Islamophobie, Klimawandel, Staatskasse, Flüchtlingsstrom, Umverteilung, Immigration, Arbeitnehmer, Mindestlohn usw. für diese enge Sicht der Dinge sorgt.

Wer sich die Frage stellt, was eine schöne Operation beziehungsweise Handlung heute alles sein kann, sollte sich noch bis 26. Oktober die Ausstellung anschauen. Es gibt nur ein großes Versäumnis: die vielen Garten Edens, die Künstler in den letzten Jahrzehnten geschaffen haben. Martin Schöffmann mit einem Stück aus seinem Garten weist darauf hin.

IMG_20160508_184939

Wie wichtig ist uns die Schönheit…

…der Gesellschaft – von Taten, Handlungen oder Operationen? Wie schön wären diese, wenn wir genau das wollten, eben dass sie schön sind?

Diese auf das Scheitern der Ich-Gesellschaft und die Notwendigkeit eines neuartig ganzheitlichen Gesellschaftsbewusstseins bezogene Fragestellung der Ausstellung Schöne Operation wurde von den teilnehmenden 15 Künstlern und 21 Künstlerinnen wie erwartet äußerst frei ausgelegt.

IMG_20160508_180507IMG_20160508_175814

Die verschiedenen Positionen scheinen in demselben Dilemma zu stecken wie die Gesamtgesellschaft: das Akzeptierte funktioniert nicht mehr, das vielleicht funktionierende Neue ist noch nicht akzeptiert – innerhalb dieses alle Bereiche des Lebens und Zusammenlebens umfassenden Umbruchs – was wäre da schön? Veränderung ist oft mit Schmerz verbunden – so belegt es das Leben – bei der Geburt, beim Sterben – was wäre da schön?

Ist das Sammeln von Utopien schön? Sind es die environment-technischen Exkursionen der Kooperationspartner Bionikum, Die Verknüpfer, BKK-3, Klimabündnis und Kärnten Solar? Ist es die Mittelmeer-Aktion des Zentrums für politische Schönheit/ ZPS aus Berlin mit 1000 Rettungsplattformen zwischen Tunesien und Italien als Provisorium für ein Jahrhundertwerk, eine Autobahnbrücke von Afrika nach Europa?

IMG_20160508_093146

Anna Vasof mit „Brake Dance“ ignoriert die Schönheitsfrage: in Schuhen mit Bremsen und einem vorgebauten Gestänge, an dem in Augenhöhe eine Verkehrsampel in klein befestigt ist, unterwandert sie die allgemeinen behördlichen Regeln mit den eigenen – sind es andere?

IMG_20160509_084552

Eine konkrete Anleitung zur gesellschaftlichen Schönheit hat nur Zenita Komad parat: sie empfiehlt den verschiedenen Parteien der Welt, sich statt zum Streit zu einem friedvollen Austausch in 10er-Sesselkreise zu setzen: It`s time for spiritual action! Ob man mit derartigen Veranstaltungen Fußballstadien füllen kann? Das Modell dazu heißt „One Goal“ – das circleXperiment.

IMG_20160508_161244

IMG_20160508_161024IMG_20160508_183133

Die Ausstellung handelt also von der Unmöglichkeit  einer „Other Society“, wie sie auch Rahman Hak-Hagir heraufbeschwören will, der zusammen mit Lena Catalina Stan ein Labor zur Behandlung der „Divided Society“ eingerichtet hat.

Erst die Vielfalt (der Farben des Lebens) macht uns schön – davon erzählt das 4m lange, ursprünglich weiße Kleid, das nach der 20minütigen Eröffnungs-performance F7UIDS (Version II) des Kopenhagener (Cyborg-)Duos Nuleinn (01) liegen geblieben ist.

IMG_20160508_162308

Direkt und ohne interpretieren zu wollen folgt das Video „Schönheit total“ von Friedrich Zorn den Interessen von Kindern und ihren Kameras.

IMG_20160508_180302

Auch Ariadne Sevgi Avkiran beschränkt sich nicht auf ihre eigenen Sinne und lädt rund um ihren „Tactile Art“-Tisch Blinde und Sehende zu einem freien Wahrnehmungsaustausch ein. Ein Angebot, das über den Kärntner Blindenverband oder das Museum gebucht werden kann.

Detlef Löffler mit Photoshop-Montagen verstört und fasziniert zugleich. In Portraits vom Vorstand der Freunde des Museum am Bach hat er die Hälfte eines Fotos von ihm selbst hinein operiert, gänzlich ohne Narben.

Die begonnene Sammlung unterschiedlicher „Sozialmodelle der Kunst“ befindet sich zusammen mit einem Arbeitstisch in einer Nische der Ausstellung.

IMG_20160508_181413

Die Kategorien der Sammlung sind:

  1. Qualität der Kommunikation (C)
  2. Horizonte des Denkens/ politisches Framing/ ideologische Ausrichtung (I)
  3. Individuelle Rechte (R)

Das Prinzip nach dem die Sammlung benützt werden soll heißt Selbstaufklärung.

Genau hier setzt der Medienkünstler Herwig Steiner an – mit seiner „Schönen Operation am eigenen Beispiel“ und den „Unschönen Operationen 1 – 4“. Mit der Schönheit ist es wie mit der Wahrheit, wenn man sie einfach übernimmt, ist sie nicht wirklich.

IMG_20160508_185138

Fotos: Instagram

B0044P 0060

Die Kunst, die Macht, das Schöne und die Freien Wahlen

Wird uns Konsumenten wie Produzenten das Schöne diktiert oder entscheiden wir selbst, was schön ist?

Ich beziehe mich auf die altpersische Poesie, in der das Schöne mit der Süße des Honigs verglichen wird und ziehe weiters Joseph Beuys Postulat „jeder ist ein Künstler“ heran um folgende These aufzustellen: das Schöne entsteht erst durch Vermischung (gleich wie der Honig aus dem gesammelten Nektar erst zusammen mit den körpereigenen Enzymen vieler kooperierender Bienen und dem Honigtau, den die Läuse absondern zum Honig wird). Demnach ist das Schöne immer das Ergebnis einer Kooperation.

Aber wie erzeugen wir „freien“ Menschen in unseren Zellen – den Schulen, Museen, Theatern, Ämtern, Fabriken, Restaurants und Geschäften – das Schöne? Und was genau meinen wir, wenn wir sagen: das war ein schöner Tag?

Viele unserer Teams, Firmen und Abteilungen werden von Chefs oder Chefinnen geführt, die bei ihren Vorgaben prinzipiell über die Köpfe der anderen hinweg entscheiden. Unsere Demokratien sind erst auf halbem Wege Demokratien. In ihren Subsystemen sind sie immer noch Diktaturen. Der Wechsel zu einer radikalen, direkten, partizipativen Demokratie kann nicht bequem vom Sofa aus per Fernbedienung angesteuert werden. Eine  auf Freiheit, Gleichheit und Verbundenheit begründete Demokratie – vielleicht das wahre Schöne in der Gesellschaft – fordert von allen vor allem gegenseitige Wertschätzung.

Seit mehr als 100 Jahren greifen künstlerische Experimente in die soziale Ordnung der Gesellschaft ein. Jede Tat/ Handlung/ Operation kann sich jener Schönheit nähern, die wir ziemlich ungeschickt noch als Friedensutopie bezeichnen. Eigentlich handelt es sich um eine freie Wahl, nur dass diese in den sogenannten Freien Wahlen nicht vorkommt.

Alex Samyi, Ruden

Pizza

CLOSED TILL APRIL

Derzeit befinden wir uns im  Winter(SCHÖNHEITS)schlaf (in Wahrheit aber schon längst wieder munter im OPERATIONSRAUM). Die nächste Saisonausstellung „DESIGNING BEAUTY – SCHÖNE OPERATION“ wird am 23. April mit einem/dem Live-Art-Spektakel „GANZ-SCHÖN-FREI“ eröffnet werden. Das Ereignis wird am 2. Tag einer  dreitägigen SCHÖNEN Wochend-Kooperation mit Flux23, Unikum und Kunstraum Lakeside unter dem Motto „INS FREIE“ stattfinden.

Instant-Foto-Carpets

INSTANT-FOTO-GEWINNSPIEL

fotohorst

Ein „Wettbewerb“, bei dem das mittlere(!) Talent gewinnt.

web_lomoinstant_black_front_1

Symbolfoto

DAS NEUNTBESTE INSTANT-FOTO GEWINNT eine INSTANT-LOMO

Mit dem Einsatz von EUR 1,- pro Bild ist man dabei. Es geht darum, während des Besuchs im Museum den richtigen Instant-Foto-Moment zu wählen – das Thema ist frei – schön wäre eine spannende Verbindung des Selbst mit der laufenden Ausstellung.