#denk_ART Round Table

„Wie wenige Menschen, auch die tapfersten, haben jemals den Mut, klar einzugestehen, ihre Anschauung von gestern sei Irrtum und Unsinn gewesen.“ (Stefan Zweig)

 

 Dienstag, 2. Juli 2019, 18:30 Uhr

 

Eine Veranstaltung der Neuen Mittelschule Bleiburg/ Pliberk in Kooperation mit dem Museum am Bach im Museum am Bach.

Moderation: Marion Hasse. Special Guest: Manfred Bockelmann.

Wann ist ein runder Tisch wirklich rund? In welcher Form könnte er verbindlich und politisch wirksam sein? Mit KünstlerInnen, PolitikerInnen, HistorikerInnen und SchülerInnen, darunter Manfred Bockelmann, an einem Tisch sitzen und voneinander lernen… gegen das Vergessen.

Freiheit, Gleichheit, Gegenseitigkeit; 100 Jahre Republik Österreich; Menschenrechte – die Ideale der Moderne und aktuellen Demokratieentwicklung werden von einigen (von gestern) nach wie vor missachtet…

NMS Bleiburg Bockelmann

Die NMS Bleiburg entwickelte dazu das Projekt #denk_ART, ein Schuljahr rund um Manfred Bockelmanns „Zeichnen gegen das Vergessen“. Seine weltweit ausgestellten Portraits zeigen Kinder und Jugendliche, die an vielen Schreckensorten Opfer des Holocausts wurden. Für Manfred Bockelmann ist es zur Lebensaufgabe geworden, „zumindest einigen wenigen Namen und Nummern Gesichter zu geben, ein paar Menschen aus der Anonymität der Statistik herauszuheben.“

Viele Workshops haben stattgefunden, darunter auch die „Landkarten der Demokratie“ des Museum am Bach. Eine umfassende Projektchronik wird präsentiert.

 

Kaerntner-SPK_internal-material+HG

 

 

 

logo zukunftsfonds.pdf

KKA_4c10Druck

EYCH2018_Logos_Lavender-DE-72

 

 

BKA_Logo_cmyk

Logo_Kultur

 

 

 

Wunsch-Transfer

Wunschtransfer

Fr 17. Mai, 17:00 Uhr

Abfahrt in Klagenfurt am Wörthersee von der Bushaltestelle Neuer Platz neben dem Ruefa Reisebüro. Eine Magical Mystery Tour im Rahmen von Ins Freie. Idee: Alex Samyi. Beitragende und Mitwirkende: Edith Payer und Desirée Zott-Mostetschnig.

Die Reise geht über Ihren ganz persönlichen Wunschort weiter nach Ruden zum Museum am Bach. Rückfahrt um 20:30.

Unkostenbeitrag: €5,-

Anmeldung: museumsdirektion@muab.at / vergessen Sie nicht, Ihren Wunschort bekanntzugeben!

 

Eröffnung der Ausstellung Super-Paradiso am 11. Mai um 18:00 Uhr

SP0

Liste 2019

SUPER-PARADISO

Beitragsbild: Loretta Stats, 2018

 

SUPER-PARADISO. DIE MACHT DER WÜNSCHE

11. Mai bis 26. Oktober 2019

Eröffnung am Sa 11. Mai 2019, 18:00 Uhr

Die moderne Gesellschaft ist zum einen die „Wunschmaschine“ von Gilles Deleuze und Felix Guattari, die laufend neue Paradiese produziert und zum anderen die Moderne des Sozialphilosophen Bruno Latour, die bloß aus Bildern besteht, die wir nie gelebt haben. Sie wurden im Kino von der Nouvelle Vague produziert, in der Literatur von Allen Ginsberg, in der Musik von Janis Joplin und so fort und haben uns eine neue Freiheit ohne Konventionen und Tabus suggeriert, die wir mit den Moden und Looks der Stars als Gefühl verinnerlicht haben. Die Moderne war nur ein Starkult, erzeugte aber ein Weltbild, das wir bis heute hoch halten, um unser Begehren der Freiheit zu feiern. 

Geht es nach Andy Wahrhol und der These des ‚Ruhms für 15 Minuten‘ des Kommunikationstheoretikers Marshall McLuhan, können wir schon bald aus Milliarden von Super-Paradiesen wählen. Unser Zeitalter der Information und Kommunikation ist zum ultimativen Wunschmultiplikator geworden. 

Ein anderer Zugang zu dem Thema wäre die Frage, ob unsere Begehren mehr persönlicher oder gesellschaftlicher Natur sind? Was, wenn wir die Milliarden unterschiedlichen Ideen vom Paradies zu einem großen Gesamtparadies zusammenführen? Bekommen wir dann einen zweiten Garten Eden?

Ona B. nennt ihr ‚Baumhaus‘ SCANDAL IN PARADISE. Die leuchtend rote Polyester-Kugel ist über eine 3 Meter hohe Stiege zu erreichen und bietet im Inneren rund um einen runden Tisch Platz für 5 – 8 Personen.

IMG_1592

 

 

Der Runde Tisch. Die Plattensammlung

Die PolyLoge ist ein Kollektiv, das von Lukas Vejnik geleitet wird und ein mehrjähriges Research-Programm zum Runden Tisch, das an Runden Tischen stattfindet – „Around and About Round Tables“. Lukas Vejnik: „Welche räumlichen Konstellationen entstanden rund um die Idee des Runden Tisches? Wo liegen die Wurzeln der seit dem 19. Jh. praktizierten Round Table Talks? Unter welchen Voraussetzungen wäre ein Runder Tisch, nach unzähligen temporären Engagements, als permanenter Einrichtungsgegenstand in das Raumprogramm der Demokratie aufzunehmen? Was ist aus Konferenzberichten über den Raum und die Rolle Runder Tische als Möbel und Mittler zu erfahren?“

Bei der Parallel Vienna, die gestern zu ende ging, präsentierte das MAB ungefähr 3000 BesucherInnen eine Raum-Installation. Text: Lukas Vejnik, Licht: Alex Samyi – Ton: Lisa Rožman.

 

 

Melancholie

BEITRAGFOTO: NULEINN (DK), 2018

6. Mai – 26. Oktober 2018

Do – So, 14:00 – 19:00 Uhr und nach Vereinbarung

Melancholie im Museum

Nora Leitgeb, Juni 2018

Das Museum am Bach unter der Kuratierung von Alex Samyi und Ulli Egger-Samyi versammelt 2018 bereits zum fünften Mal zeitgenössische künstlerische Positionen, diesmal unter dem Titel „Melancholie – Kunstausstellung in Moll“. Siebzehn internationale Künstler und Künstlerinnen, zwei Künstlerduos und ein Kollektiv beziehen sich in ihren zum Großteil neu produzierten Arbeiten auf die Melancholie – oder wie man noch so sagt auf die Schwermütigkeit, den Trübsinn, die Traurigkeit, die Nachdenklichkeit oder den Weltschmerz. In der Ausstellung bearbeiten manche von ihnen Episoden aus ihrem eigenen Leben, auffallend oft Liebeskummer wie das Duo OneTwoMuch und Friedrich Zorn oder Betrübtheit wie HST. Andere wiederum nähern sich dem Begriff der Melancholie aus der Perspektive der Mythologie wie das Arachne-Kollektiv, das dänische Künstlerinnenduo Nuleinn und Johannes Deutsch, der Psychologie wie die slowenische Künstlerin Meta Grgurevič oder des Traumbildes wie Rudi Benétik und Loretta Stats. Man findet Einflüsse der Japanologie wie beim Dänen Oskar Koliander, der Antike wie bei dem im Iran geborenen und in Wien lebenden Künstler Vooria Aria oder des Märchens wie bei Patricia Deisl. Andere wiederum  thematisieren gleich mehrere Aspekte der Melancholie wie die mit Sprühschablonen gefertigte Arbeit von Sebastian Schager und die Fotografie von Stefan Grauf-Sixt, manche reduzieren sich auf sinnbildliche Momente wie Evelin Stermitz, Alois Hechl-Kreuter oder Richard Kaplenig. Einige arbeiten gattungsübergreifend wie die Foto- und Videoarbeit von Sheida Samyi, die einen eigenen lyrischen Text verarbeitet oder Klaus Karlbauer, der sich den Schlager „Melancholie im September“ aneignet. Detlef Löffler schließlich bringt einen heimatkundlichen Aspekt mit hinein.

Seit der Antike behandeln medizinische, philosophische und kulturwissenschaftliche Schriften die Melancholie, die sowohl mit Schwermut und Trauer gleichgesetzt wird, aber auch mit Genialität und Inspiration. Die Melancholie mit Depression zu vergleichen gilt schon lange nicht mehr, vielmehr mit einem romantischen Weltschmerz, der durchaus schöpferische und erleuchtende Gedanken und Taten hervorbringen kann. In der antiken Viersäftelehre nach Hippokrates beförderte ein Ungleichgewicht der Säfte durch einen Überfluss an schwarzer Galle die Schwermut, von daher der Name Schwarzgalligkeit aus dem Griechischen mélas/ schwarz und cholḗ/ Galle. In der Temperamentenlehre wieder aufgegriffen wird das Temperament des Melancholikers mit Erde gleichgesetzt. Vooria Aria schaffte in seiner Installation „Bereit zum Aufbruch und zur Reise“ einen Erdhaufen aus Erde von hinter dem Museum in einen dunklen Ausstellungsraum, erhellt lediglich durch eine mit blauem Licht beleuchtete Floatglasscheibe. Im Englischen bedeutet „blue“ auch „traurig“, die Farbe Blau steht überdies für Ruhe, Vertrauen, Freiheit, Weite und Wasser, aber auch für Sehnsucht und kritische Selbstbeobachtung, was wiederum melancholisch wirken kann. In dem finsterem Ausstellungsraum lässt sich abgeschottet von äußeren Eindrücken dementsprechend gut sinnieren. Wasser spielt einen Raum weiter bei Oskar Koliander in der Installation „Kodō“ eine wesentliche gestalterische Rolle. Eine selbst gebaute japanische Shishi-odoshi, ein Bambusrohr, das durch Wasser bewegt mit langsamen, plötzlichen Schlägen Wildtiere aus Gärten vertreibt, wird von dem hauseigenen Museumsbach befüllt. Kodō meint auch das japanische Wort für  Herzschlag und Puls, es ist gleichsam der Herzschlag des Museums, gespeist von dem Wasser, das dem Museum seine Energie zum Betreiben der ursprünglichen Mühle gab und nun namensgebend ist. Einen Bezug zu japanischen Zengärten findet man auch gleich beim Eintreten in die Ausstellung, der ganze erste Raum ist vom nordischen Künstlerinnenduo Nuleinn, Rine Rodin und Magga Ploder, gestaltet. Nuleinn leitet sich vom Binärcode ab. In feinfühligen, sinnlichen Videos, Performances und interaktiven Installationen ermöglichen die Künstlerinnen einen körperlichen und taktilen Umgang mit digitalen und technoiden Zukunftsszenarien. In der Arbeit „Erde“ kann man an einem vertikalen Holzstamm drehen, an dessen Fußende ein Rechen befestigt ist, welcher durch einen Kreis aus Sand fährt, der an einen kleinen Zengarten erinnert. Kaum setzt man einen Fußstapfen in den Sand wird dieser im nächsten Moment von einem selbst schon wieder ausgelöscht, sinnbildlich für den Kreis des Lebens. Die Videoarbeit „Drache“ ist inspiriert von der altnordischen Literatur Snorra-Edda, in der – unter anderem – von der Entstehung und dem Ende der Welt berichtet wird. Der schlangenartige Totendrache Nidhöggr nagt unentwegt an der Wurzel des Yggdrasils, des Baums des Lebens. „Blei“, „Winter“ und „Saturn“ sind weitere Arbeiten von Nuleinn. Diese beziehen sich alle auf Begriffe, die durch die Jahrhunderte mit Melancholie assoziiert wurden. So ordnete die mittelalterliche Astrologie den Planeten Saturn der Melancholie zu, als der im Altertum äußerste, am weitesten von der Sonne entfernte, kälteste und lebensfeindlichste Planet. Diesem ist wiederum das Element Blei zugeordnet, die Erfahrung der eigenen Schwere. 

Das 2007 in Bozen gegründete Arachne-Kollektiv, bestehend aus Ahmet Avkiran, Ariadne Sevgi Avkiran und Alex Samy nimmt in ihrer Installation „Arachne. Love Is Blue“ Bezug zur Arachne, einer Gestalt aus der griechischen Mythologie, eine unglaublich geschickte aber vermeintlich hochmütige Weberin, welche der Göttin Athena die Stirn bietet und im Weben herausfordert. Arachne gewinnt, wird aber daraufhin von Athena aus Wut – zum einen wegen ihren Darstellungen zu den Liebesaffären der Gottheiten, zum anderen aufgrund ihres übermenschlichen Geschicks – zu einer Spinne verwandelt, die ewig lebt und weben muss. Das Arachne-Kollektiv symbolisiert in ihrer Arbeit die Sagengestalt Arachne als gesellschaftliches, basisdemokratisches Aufbegehren gegen Autoritäten, als Selbstorganisation gegen Überreglementierung und inszenierte zur Eröffnung inmitten der riesigen hölzernen Spinnen-Marionette eine Performance mit Imke Logar-Thiessen, Desiree Zott-Mostetschnig, Walter Wratschko und Martha Laschkolnig. Johannes Puch kommentierte die Performance mit der Fotoserie „Gesponnenes und Gewebtes“ als Raum- und Szeneninterpretation.

Im katholischen Mittelalter und mit dem Erstarken des Christentums kommt die als Aecedia oder Pigritia bezeichnete Mönchskrankheit auf. Dem antiken „vita contemplativa“, dem Zulassen von Müßiggang und der damit vielleicht einhergehenden Kreativität folgt ein strenges „ora et labora“. Trägheit, Trübsinn, Pflichtvergessenheit und Niedergeschlagenheit sind bezeichnend für das Krankheitsbild, von der in erster Linie Mönche befallen wurden, dazu kommen ein Mangel an Frömmigkeit und das Vernachlässigen religiöser Pflichten. Die Aecedia oder auch Faulheit kommt schließlich als eine der sieben Todsünden über das Mönchstum hinaus in der gesamten Bevölkerung an. Traurigkeit und Melancholie begleiten die Aecedia als Gemütszustand. In der Renaissance ist es dann vor allem dem Philosophen Marsilio Ficino (1433-1499) zu verdanken, dass sich das Melancholieverständnis ändert. Er beschreibt, dass ausgeprägtes kontemplatives Denken zu höchsten intellektuellen und kreativen Fähigkeiten beflügeln kann und zieht eine Verbindung zwischen geistiger, anspruchsvoller Arbeit und melancholischem, tiefsinnigem Genie. Dabei kann es allerdings vorkommen, dass Genies sozial vereinsamen, denn im Erkennen um die eigene Unwichtigkeit und Unfähigkeit, die göttliche Wahrheit jemals zu verstehen, wird man trübsinnig. Wobei es aber auch im Durchmachen des Leidens zu einem spirituellen Erkenntnisgewinn kommen kann, was dann dem neuzeitlichen Verständnis von Melancholie näher kommt.

Das Künstlerinnenduo OneTwoMuch, Martha Laschkolnig und Marie Lenoble, verarbeitet in ihrer mixed-media Installation „Ich liebe dich, aber“, den eigenen Liebeskummer. Ein Porträtfoto der Künstlerin aus einer Serie von Fotos, die sie vom Liebeskummer überwältigt beim Weinen zeigt, wird von dem Schriftzug „ich liebe dich, aber“ und einem Spiegel ergänzt. Ja, auch die Liebe ist nicht gefeit vor Bedingungen. Friedrich Zorn simuliert in „Talking to Silicon“ eine ungewöhnliche Liebesgeschichte von ihm selbst mit Siri, auf Fragen wie „Liebst du mich?“ oder „Willst du mich heiraten“ antwortet Siri in gewohnter Manier mit „Diese Frage habe ich nicht verstanden.“. Nein, nicht alles kann von Siri beantwortet werden, wohl schon gar nicht Fragen um Emotionen und Sinnlichkeit. Obwohl Silicium als zweithäufigstes chemisches Element nach dem Sauerstoff einen sehr großen Teil von dem ausmacht, das wir sinnlich erfassen können. Sheida Samyi verwendet in der Foto- und Videoarbeit „Help Hopes / Hope Helps“ zwei eigene lyrische Texte, die gesprochen von Karin Loitsch und Christian Rainer und musikalisch untermalt von Jozej Stikar von der Hoffnung handeln, die in einem Hilfeschrei enthalten ist und von der Hilfe, die einem Hoffnung gibt. HST verarbeitet in „Crying Printers“ ein persönliches Trauma. Ein Text zu seiner eigenen Kummergeschichte wird in einzelne Buchstaben zergliedert, die in regelmäßigen Abständen aus zwei Laser-Druckern „geweint“ werden. Denn die Drucker sind auf den Augen seines übergroßen Porträts angebracht, die ausgeweinte Geschichte bleibt letztendlich aber nur dem Künstler bekannt. Klaus Karlbauer inszenierte eine Video- und Soundinstallation im Turbinenraum der Mühle. Er mischte zum Klang des Maschinenraums den alten Schlager der Bambies „Melancholie im September“. Dabei sieht man ein Video, dass ihn selbst bei dem Versuch zeigt, die Besucher und Besucherinnen des Museums zu greifen und ihr Herz zu berühren.

Traumsymboliken zeigen sich bei Loretta Stats „In The Pipe“, einem 2,65 m langem Rohr, Sinnbild im Traum für den Wunsch nach Kanalisation der eigenen Gefühle. Gegenstände, die  beim Blick durch das Rohr zu erkennen sind, lassen eigenen Gedanken und Assoziationen zu. Rudi Benétik verarbeitet in seiner gleichsam einem Bild an der Wand hängenden Installation „Traumtropfen“ farbiges Plastik und Glas auf einer verbrannten Matratze, wobei von dieser nur mehr das metallische Federkerninnenleben übrig blieb. Das Licht zeigt sich bei dem Triptychon „Orakel – Swinging In Minor“ von Johannes Deutsch nicht am Horizont, sondern es kommt vom unteren Drittel des Bildes und so schaut auch ein kleiner Bub mit dem Fernglas nach unten. Johannes Deutsch: „Hier wird zur Frage des Orakels ein vom Nebel geradezu unsichtbarer Ort gezeigt. Bei Not und Unsicherheit kann an diesem Ort keine ‚Sicht‘ und keine ‚Erkenntnis‘ erwartet werden. Ich erinnere mich an die Beschreibungen des großen Kulturhistorikers Aby Warburg, in denen dieser zeigt, wiewohl bereits im antiken Griechenland die Menschen wussten „das Geflecht unzähliger Sterne zu strukturieren und durch Zusammenfassung von wiedererkennbaren Formen von Sterngruppen die Grundlage zur Beobachtung zu legen“. So entstand langsam Ordnung in der Dunkelheit und der Nachthimmel bot Hilfe bei der Navigation. Aber im Orakel oder in der astrologischen Zuschreibung wurden und werden dann die Bilder der Orientierung bloß zu Projektionen von Urängsten.“

Die slowenische Künstlerin Meta Grgurevič bringt in ihrer Installation „Typewriter/ Statement A“ eine persönliche Mutter-Tochter-Geschichte, wo es um die ungewisse Zukunft ihrer Tochter geht, mit dem Charlie Chaplin Film „The Great Dictator“ in Verbindung. Der Ausschnitt mit der Rede an die Soldaten ist an die Wand projiziert, ebenso die zeichnende Mutter und das unbeschwert tanzende Mädchen. Eine pneumatisch betriebene alte Schreibmaschine schreibt mit rhythmischen, kräftigen wie sich von selbst bewegenden Tasten immer dann die Rede an die Soldaten, wenn im Film nicht gesprochen wird und füllt die Leerstellen mit einem scharfen Klang, wobei das Wort „Soldaten“ immer ausgelassen wird.

Im Café Melancholie wurde auf Wäscheklammern und Schnur eine Fotostrecke von Detlef Löffler installiert mit Porträts von Josef Jakab und Franz Tschebular vom Komitee Grabkapelle Lippitzbach, die angrenzend an das Museum im Schloss Lippitzbach einen Geschichtsverein betreiben. Im Volksmund ist die Nostalgie die Schwester der Melancholie.

So unterschiedlich die einzelnen Positionen in ihren Facetten, Emotionen und Bildern auch sind, so erkennt man dann doch in der Auseinandersetzung mit den Arbeiten, dass sie alle mit der Melancholie als gesellschaftliches Problem einer tief sitzenden Sehnsucht nach Gerechtigkeit assoziiert sind. Bestimmt ist auch die eine oder andere Arbeit aus einer melancholischen Grundstimmung heraus angeregt worden.

 

MAB 2014 – 2017

2014

SLOW! ERSTER WELTKRIEG DADA

Ariadne Avkiran, Alois Hechl-Kreuter, Marc Horisberger, Alexander Kandut, KopKonst (Katrin Ackerl Konstantin und Rosalia Kopeinig), Paul Kronawetter, Detlef Löffler, Burgi Maierhofer, Peter Moosgaard, Melina Kumer, Sheida Samyi, Peter Scharmüller, Christoph Schwarz, Herwig Steiner, Friedrich Zorn.

Soldatengruesse aus Klagenfurt

Komitee Lippitzbach (Josef Jakab, Franz Tschebular): Feldpost, Fotos, Ansichtskarten. Frank Waltritsch: Open System Model. Rainer Peraus – Barbara Peraus – Marion Slunsky: Dream Can Project.

Siegerposen-Performance SUPERSTARK: Ahmet Avkiran, Niki Meixner, Tina Perisutti, Sigrid Seberich und Urban Playground (Markus Krasser, Peter Piuk, David Schessl).

2015

VON OBEN. GOD VIEW. Klettern, Fliegen, Raumfahren und der veränderte Blick auf die Gesellschaft

Vooria Aria, Rudi Benetik, Jean-Marc Caracci, Patricia Deisl, Gernot Fischer-Kondratovitch, Gernot Gleiss, Rahman Hak-Hagir, Alois Hechl-Kreuter, Klaus Karlbauer, Sigi Kulterer, Detlef Löffler, Burgi Maierhofer, Peter Moosgaard, Robert Rottensteiner, Anna Rubin, Robert Schabus, Christoph Schwarz, Sheida Samyi/ Katrin Ackerl Konstantin, Nicole Six und Paul Petritsch, Loretta Stats, Herwig Steiner, Wolf Stefan Vogler, Friedrich Zorn.

Beiträge von Monsignore Johann Dersula, Komitee Lippitzbach

Sammlungsbeitrag von Peter Piccottini (Bionisches Mind).

RUDEN LIVE ART (1)

Samstag 8. August

THIS WAY, Rahman Hak-Hagir (The Other Society – OS) – 2#CYBORG IS NOW, Nuleinn (Denmark) – :ÜBERFLIEGEN:, Katrin Ackerl Konstantin, Sheida Samyi

THIS-WAY-2-WEB-mixed-sharp

Sonntag 9. August

OBEN UND UNTEN , Imke Logar-Thiessen, Irina Lopinsky, Larissa Lopinsky, Annamaria Kutej, Stefan Kollmann, Valerie Logar – SELECTION, Rahman Hak-Hagir – VON OBEN: INNEN, Christina Clar & Maki Stolberg

2016

SCHÖNE OPERATION. DESIGNING (POLITICAL) BEAUTY

Vooria Aria, Ariadne Sevgi Avkiran, Ona B, Patricia Deisl, Karen Elliot, Sahar Fetrat, Gernot Gleiss, Rahman Hak.Hagir/ Lena Catalina Stan, Alois Hechl-Kreuter, Zenita Komad, Martha Laschkolnig, Marie Lenoble, Detlef Löffler, Sarah Lumen Heine, Burgi Maierhofer, Peter Moosgaard, Nuleinn, Andrea Rust, Sheida Samyi, Martin Schöffmann, Loretta Stats, Herwig Steiner, Evelin Stermitz, Anna Vasof, Dolores XT, Zentrum für politische Schönheit, Friedrich Zorn.

Beiträge von BKK-3, KPD Drava, Klimabündnis, Komitee Lippitzbach, NMS Bleiburg/ Pliberk, Fotowettbewerb: Foto Horst. Eröffnungswochenende: Kooperation mit Galerie 3/ Flux 23, Kunstraum Lakeside, Unikum, KopFiNdeRwaNd.

Sammlungsbeiträge von peace in action: Relikte der Aktionen (Dauerleihgabe), Robert Jelinek: Der Konterfei

PARALLEL VIENNA 2016

STIMME ERHALTEN – ALLES GUTE KOMMT VON OBEN – DIE RADIESCHEN VON UNTEN ANSCHAUEN, Installationen, Herwig Steiner.

2017

GAMES & CIRCLES. Feste, Spiele und ihre Innen-/ Außenwirkung

Vooria Aria, Johannes Deutsch, Gernot Fischer-Kondratovitch, Alois Hechl-Kreuter, Matthias Klien, Vera Lambert Kaplan, Martha Laschkolnig (OneTwoMuch), Marie Lenoble (OneTwoMuch), Detlef Löffler, Burgi Maierhofer, Gerhard Maurer, Peter Moosgaard, Nuleinn (Magga Ploder und Rine Rodin Flyckt), Markus Orsini-Rosenberg, Fritz Oelberg, Sebastian Pfeifhofer, Gerhard Pilgram, Petar Pismestrović, Loretta Stats und Friedrich Zorn, Herwig Steiner, Evelin Stermitz, Gabriele Sturm, Anna Vasof, Felix Weisz, Dolores XT, Aram Zarikian.

Beiträge von VS Ruden, Komitee Lippitzbach. Eröffnungswochenende: Kooperation mit Galerie 3/ Flux 23, Kunstraum Lakeside, Unikum, KopFiNdeRwaNd.

Sammlungsbeitrag von Zenita Komad: One Goal – das CircleXperiment (Dauerleihgabe Alex Samyi)

RUDEN LIVE ART (2)

Donnerstag 27. Juli: SCHÖNE NACHT der offenen Ateliers: Tour durch die Ateliers von Sigi Kulterer, Burgi Maierhofer, Harald Scheicher, Karl Vouk, Edwin Wiegele.

Freitag 28. Juli: Nuleinn: Yogabots, Martha Labil: Count Out/ Count In, Die Großen Ferien: Anti-Eternia.

Samstag 29. Juli: DURCH RUDEN DURCH – 5km-Lauf durch Kirche, Amt, Schule, Wohnungen, Höfe durch. Ziel: Picknick am Lippitzbacher Drauufer.

DSCF3039

Sonntag 30. Juli: Ensemble Pension Linde: Das Interview, CS unterwegs: Blechreiz Brassquintett und Nataša Konzilia (Kooperation mit dem Carinthischen Sommer), Theater WalTzwerk: Krieg. Stell dir vor, er wäre hier.

 

PARALLEL VIENNA 2017

LOOPHOLE, Anna Vasof (in Kooperation mit dem Kunstraum Lakeside).

 

 

 

 

MELANCHOLIE

“Melancholy is sadness that has taken on lightness.” (Italo Calvino). Nach Victor Hugo ist „die Melancholie das Vergnügen, traurig zu sein“.

Früher wurden Menschen, die dauerhaft traurig sind, unter Generalverdacht gestellt als konstitutionelle Abweichler, vor denen man auf der Hut sein muss.

MUSEUM AM BACH/ MAB

Das Museum am Bach in Ruden sammelt soziale Modelle und Utopien der Kunst. Es soll ein neues und umfassenderes Bewusstsein der Gesellschaft geschaffen werden. Seit September 2018 findet dieses Forschen im Rahmen von kollaborativen Arbeitsgruppen statt, mit Kunst, Sozialphilosophie und Geschichte an einem Tisch. Die jährlich wechselnden Themenausstellungen zu aktuellen Gesellschaftsphänomenen vermitteln zudem neue Tendenzen der zeitgenössischen Raum- und Medienkunst. 

MELANCHOLIE – KUNSTAUSSTELLUNG IN MOLL 

Der Soziologe Wolf Lepenies spricht von der Melancholie als gesellschaftliches Problem: Sie beschreibt den Zustand von jemanden, der etwas tun will, es aber nicht tun kann (Handlungshemmung). Man ist auf das Denken zurückgeworfen. Hier kann bedeutende Kunst oder ein völlig neues Weltkonzept entstehen. 

 

Wenn Sie auch einen Blick unter den Tisch werfen möchten

img_2319img_2304

Drei Installationen des Medienkünstlers Herwig Steiner/ HST/ Herwig Beo Labostella 2016 bei der Parallel Vienna in Alten Post in Wien, Dominikanerbastei.

img_2343

  1. Sprichwortinstallation: Die Radieschen von unten anschauen: ein Schreibtisch mit neun Bohrungen, darüber ein rechteckiges Beet aus Torferde, darunter die Enden frischer Radieschen.
  2. Sprichwortinstallation: Alles Gute kommt von oben: Seilbahn mit Gummibärchen und Foto vom Künstler mit Schild: Alles Gute kommt von oben. Videodokumentation „Von oben“, MAB 2015.
  3. Originale Wahlkabine aus Ruden mit Kopfhörer, manipuliertem Stimmzettel und Hinweis: Stimme erhalten, dazu die Audio-Aufnahme von einem Gespräch des Künstlers mit seinem vierjährigen Sohn darüber, was er denn  (der „Papa“) einmal werden möchte, wenn er groß ist.

img_2363

Das finale Ergebnis jeder Arbeit ist, dass man sich die Radieschen von unten anschauen darf .

img_2149

Wie wichtig ist uns die Schönheit…

…von Taten, Handlungen, Operationen? Wie schön wären diese, wenn wir genau das wollten, eben dass sie schön sind?

15 Künstler und 21 Künstlerinnen: SCHÖNE OPERATION, Mai bis Oktober 2016.

IMG_20160508_180507IMG_20160508_175814

Das Akzeptierte funktioniert nicht mehr, das Neue ist noch nicht akzeptiert. Veränderung ist oft mit Schmerz verbunden.

Bionikum, Die Verknüpfer, BKK-3, Klimabündnis und Kärnten Solar. Zentrum für politische Schönheit.

IMG_20160508_093146

Anna Vasof, Brake Dance.

IMG_20160509_084552

Zenita Komad, One Goal – das circleXperiment.

IMG_20160508_161244

IMG_20160508_161024IMG_20160508_183133

Rahman Hak-Hagir, Divided Society

Nuleinn (01), F7UIDS (Version II)

IMG_20160508_162308

Friedrich Zorn und Kinder, Schönheit total

IMG_20160508_180302

Ariadne Sevgi Avkiran, Tactile Art

Detlef Löffler

peace in action – Dauerleihgabe/ Sammlungsbeitrag

IMG_20160508_181413

Neu: Beginn der Inventarisierung. Die Kategorien der Sammlung sind:

  1. Qualität der Kommunikation (C)
  2. Horizonte des Denkens/ politisches Framing/ ideologische Ausrichtung (I)
  3. Individuelle Rechte (R)

Herwig Steiner, Schöne Operation am eigenen Beispiel, Unschöne Operationen 1 – 4

IMG_20160508_185138

Fotos: Instagram

Das Schöne

Ich beziehe mich auf die altpersische Poesie, in der das Schöne mit der Süße des Honigs verglichen wird, um folgende These aufzustellen: die Bedingung des Schönen ist wie bei der Süße des Honigs Austausch und Kooperation.

Honig entsteht durch Kooperation: Nachdem die Sammelbiene genügend Blütennektar oder Honigtau (Meltau der Blatt- und Schildläuse) gesammelt hat, fliegt sie zurück zu ihrem Blütenstock. Dort übergibt sie den gesammelten Saft an eine Stockbiene, die ihn wiederum weiter und weiter gibt. Dabei gelangen immer wieder körpereigene Stoffe (Aminosäuren, Enzyme) der Bienen in den Nektar und bewirken, dass der Honig haltbarer wird. Gleichzeitig verliert der Blütennektar an Wasser und wird so immer zähflüssiger. Der beim Eintreten in den Bienenstock abgestreifte Pollen wird von den sogenannten Ammenbienen in Futtersaft umgewandelt und für die Aufzucht der Jungbienen gebraucht.

 

Alex Samyi, Ruden